17
Feb
Warum sollte man Wissenschaftler werden?
Geld ist sicherlich nicht alles, aber man sollte erwarten können, dass hochqualifizierte Menschen, die ihr Leben in den Dienst der Wissenschaft stellen möchten und die es schaffen, sich in einem knochenharten Konkurrenzkampf gegen andere Wissenschaftler durchzusetzen und mit 40 Jahren zum ersten Mal eine unbefristete Stelle zu besetzen, finanziell abgesichert sind. Dass dem keineswegs so ist, zeigt Malte Dahlgrün, dass die neue W-Besoldung dazu führt, dass das Gros der neu berufenen Professoren kaum mehr verdient als ein Realschullehrer gleichen Alters, mit dem zentralen Unterschied, dass der Professor 20 Jahre akademischer Ausbildung, verbunden mit finanziellen Einschränkungen und Risiken, hinter sich hat, während der Lehrer im Normalfall bereits seit einigen Jahren verbeamtet ist.
Wieso sich überhaupt noch hochqualifizierte Menschen dafür entscheiden, in der Wissenschaft zu arbeiten, habe ich bereits an anderer Stelle ausgeführt (Risikofaktor Wissenschaft), aber es mag kaum verwundern, wenn viele überlegen, dem "Wissenschaftsstandort Deutschland" den Rücken zu kehren und beispielsweise in der Schweiz zu arbeiten (Der Zug ins gelobte Land). Denn schlecht sind sie keineswegs ("Deutsche Forscher sind einfach gut"), aber sie werden hier nicht wertgeschätzt, zumindest nicht in der Art, die ihnen ein gesichertes Leben ermöglichen würde. Vielmehr müssen sie sich zwanzig Jahre lang von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln, so dass sie nie wissen können, wo sie in zwei Jahren sein werden und Umzüge oder Wochenendpendeln gehören zum Alltag.
Und wem es gelingt, mit Anfang 40 auf eine Professur berufen zu werden, der muss weiter darum kämpfen, im Laufe der Jahre auch Gehaltserhöhungen zu bekommen, da es keine automatischen Anhebungen gibt, sondern diese nur in besonderen Fällen mit den Hochschulen ausgehandelt werden können. Nur die vertragliche leistungsbezogene Vergütung kann hier ein wenig einen Ausgleich schaffen, denn echte Verhandlungen sind nur während Berufungsprozessen möglich.
Noch bin ich motiviert wissenschaftlich zu arbeiten, aber ich muss gestehen, dass meine Lust immer weniger wird. Nicht wegen der Arbeit, ich liebe die wissenschaftliche Arbeitsweise und könnte mir sehr gut vorstellen, das noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte fortzusetzen, aber ich möchte irgendwann auch an den Punkt kommen, an dem ich finanziell abgesichert bin und mich nicht mehr alle zwei Jahre fragen muss, wie es nun weitergeht. Ich denke, das ist nicht zuviel verlangt, aber die Wissenschaft scheint in Deutschland momentan keine sonderlich hohe Priorität zu genießen. Entgegen aller Ankündigungen…
(Via: Wissenswerkstatt | Existenzrisiko Wissenschaft?)

Weltenkreuzer » Blog Archive » Die USA - Das gelobte Land der Wissenschaft? am 8. März 2008, 23:55 Uhr
[...] in Deutschland in der Wissenschaft einiges im Argen liegt, habe ich ja schon mehrfach kritisiert (Warum sollte man Wissenschaftler werden?, Was die Wissensgesellschaft braucht…, Risikofaktor Wissenschaft), aber anscheinend gibt es [...]
Fragensteller am 5. Dezember 2008, 11:53 Uhr
Ich würde gerne Wissenschaftler werden, aber wenn die Verraussetzungen so aussehen gibt es bestimmt auch andere Wege für die Wissenschaft zu arbeiten.
Weiterhin bin ich entäuscht das die Welt in DIESER Hinsicht nachlässt.[...]
Weltenkreuzer am 9. Dezember 2008, 21:14 Uhr
Naja, was heißt “für die Wissenschaft arbeiten”? Als Naturwissenschaftler oder Ingenieur kommt man sicherlich auch in den Forschungsabteilungen von Unternehmen unter, als Statistiker oder Soziologe in der Forschung an staatlichen Instituten und auch Max Planck- und Fraunhofer Gesellschaften bieten attraktive Stellen, aber der Großteil der nicht angewandten Forschung passiert nunmal in den Universitäten…