19
Aug
Wenn der Alltag symbolisch wird
Im Alltag haben wir alle möglichen Symbole um uns herum. Seien es Wörter, mit denen wir bestimmte Gegenstände bezeichnen, Nummern, die Rangordnungen wiedergeben oder Verkehrszeichen, die komplexe Regeln und Verhaltensvorgaben auf ein einfaches Bild reduzieren. In diesem Zusammenhang macht das SZ-Magazin auf eine neue Entwicklung aufmerksam: Die Symbolkraft von Telefonnummern.
Eigentlich könnte man denken, eine Telefonnummer sei eine mehr oder weniger zufällige Kombination aus Ziffern, mit der ein Telefonanschluss eindeutig angewählt werden kann. Die Vergabe von Telefonnummern ist jedoch keineswegs zufällig, sondern transportiert eine Menge Information: Die Vorwahl ermöglicht es, den Ort des Angerufenen festzustellen, bei älteren Nummern weisen die ersten Ziffern der Nummer auf den Stadtteil hin, eine 8 als erste Ziffer lässt auf einen frühen ISDN-Anschluss schließen und eine sechsstellige Nummer in einer Großstadt auf einen lange etablierten Anschluss. Der Artikel im SZ-Magazin stellt Handy-Vorwahlen in den Mittelpunkt.
Vor einigen Jahren war die Handy-Welt noch klar geordnet: 0171 bedeutete T-Mobile, 0172 war Arcor D2 und 0177 E-Plus. Dann kamen immer mehr Nummern hinzu 0170, 0160, 0175 usw. usf. Wer heute noch eine der alten Vorwahlen hat, symbolisiert damit einerseits Kontinuität und andererseits aber auch, dass er ganz am Anfang schon auf den Mobiltelefon-Zug aufgesprungen ist. Lange Recherche über die Erfahrung eines potentiellen Geschäftspartners kann abgekürzt werden - wer eine 0171-Nummer hat, der ist schon seit einigen Jahren im Geschäft.
Auf diese Weise wird eine scheinbar zufällige und an sich wertlose Nummer auf einmal zu einem geschäftlichen Wert, der sich eventuell sogar in manifesten finanziellen Gewinn umsetzen lässt. So werden derartige Nummern mittlerweile bei Ebay als “V.I.P.-Nummern” gehandelt (0171, 0172, 0177)