18

Sep

Was ist Ökonomie und was ist sie nicht?

In der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung liefert Andreas Hoffmann einen sehr interessanten Einblick in die Geisteswelt der Ökonomen. Sein Fazit:

Ökonomen sind Künstler. Sie reduzieren die Wirklichkeit. Der Künstler sieht ein Gesicht, einen Baum und reduziert es auf das Wesentliche, er verfremdet, verwirft, gestaltet um, bis etwas Neues entsteht. Wie der Ökonom. Er reduziert die Welt und blendet vieles aus.
[...]
Doch etwas unterscheidet den Ökonomen vom Künstler: Der Maler weiß, dass er Kunst macht. Der Ökonom nicht. Pablo Picasso dachte nie, dass sein Guernica ein Foto des spanischen Bürgerkrieges ist. Der Ökonom aber schaut auf die Lego-Welt und sagt: “So ist das Leben.”

Nicht alle Ökonomen leben in Legoland, weswegen meine Zweifel vielleicht irgendwann schwinden. Ich hoffe auf die USA. Dort verstehen sich Ökonomen mehr als Wissenschaftler denn als Ayatollahs in Anzügen. Sie untersuchen, welche Legosteine etwas taugen und welche nicht. Man nennt das Empirie.
[...]
In Deutschland soll es auch einige dieser Ökonomen geben. Sie sagen, dass es den Homo oeconomicus nicht gibt, und zu diesen klugen Menschen gehört sogar der einzige deutsche Nobelpreisträger für Ökonomie, Reinhard Selten. Er warnt vor lebensfernen Theorien und spricht von “ökonomischem Imperialismus”. Aber noch sind Kritiker wie Reinhard Selten sehr, sehr leise. Hoffentlich werden sie lauter. Bis dahin hilft weghören, wenn die Lego-Menschen im Fernseher flimmern und reden.

Nach mittlerweile fünf Jahren wirtschaftswissenschaftlichem Studium kann ich mich der Analyse Hoffmanns eigentlich nur anschließen.


Verwandte Beiträge

Ein Kommentar (RSS)

  1. Weltenkreuzer » Blog Archive » BWL mal anders am 4. November 2007, 21:05 Uhr

    [...] des klassischen BWL-Studiums in Deutschland habe ich mich ja schon häufiger ausgelassen (Was ist Ökonomie und was ist sie nicht?, Scheuklappen?). Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in dem kleinen Ort Alfter bei [...]

Eigenen Kommentar abgeben