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Okt

DGS: Stammesgemeinschaften und Markencommunities

Dass in der heutigen Welt kein Platz mehr ist für traditionelle Gemeinschaftsformen wie den Stamm, das Dorf, die Familie oder die Nation scheint in der Soziologie mittlerweile mehr oder weniger beschlossene Sache zu sein. Doch wie Wolfgang Gabbert am Beispiel Mexicos aufzeigt, führt auch gerade die Modernisierung in einigen Regionen dazu, dass sich Gruppen von Menschen auf der Grundlage traditionaler Kriterien, wie Abstammung oder Heimat, bilden. So grenzen sich Migranten aus einer bestimmten Region in Mexiko durch ihre Herkunft von US-Amerikanern und auch anderen Mexikanern ab und schaffen durch die Rückbindung an ihre Heimatdörfer auch dort ein Identitätsgefühl, das auf einer gemeinsamen Abstammung bzw. Herkunft basiert.

Dass es aber auch durchaus moderne oder sogar postmoderne Formen der Gemeinschaftsbildung gibt, zeigen Ronald Hitzler und Michaela Pfadenhauer auf, wenn sie “posttraditionale Gemeinschaften” in den Blick nehmen. Diese Gemeinschaften zeichnen sich zwar durch eine emotionale Verbindung und wechselseitige Solidarität aus, unterscheiden sich jedoch deutlich von traditionalen Gemeinschaften:  So basieren sie nicht auf “angeborenen” Merkmalen wie Wohnort, Abstammung oder Religion und begleiten den Menschen über sein gesamtes Leben und in allen Lebensbereichen, sondern beruhen vielmehr auf einer freiwilligen Entscheidung des Einzelnen, sich für eine begrenzte Zeit einer Gemeinschaft anzuschließen und so eine bestimmte Identität anzunehmen. Als Beispiel ließen sich hier Markengemeinschaften nennen, die sich um ein Produkt oder eine Marke herum bilden (z.B. Apple, Opel…) und die dem Einzelnen dann Orientierung für einen gewissen Lebensbereich bieten. Gleichzeitig sind diese Gemeinschaften nicht so bindend wie traditionale Gemeinschaften, da man sie jederzeit und ohne Sanktionen befürchten zu müssen verlassen kann, um sich anderen Gruppen anzuschließen.  

Das Kernproblem bei der Entwicklung von modernen Formen der Vergemeinschaftung ist, dass diese in einem Paradox gefangen sind: Einerseits sollen sie ihren Mitglieder ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln und Orientierungen und Interpretationsmuster anbieten, andererseits dürfen sie aber auch die Freiheit des Einzelnen nicht zu sehr einschränken. Welche dauerhaften Formen sich hier schließlich herausbilden und ob diese in der Lage sind, eine moderne Wirtschaft und Demokratie zu tragen, bleibt abzuwarten.


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