9
Okt
DGS: Gewalt und Moderne
Da die Internetcafés hier doch deutlich länger auf haben, als ich dachte und auch das Programm nicht ganz so dicht gedrängt ist, wird es hier nun doch immer mal wieder Berichte direkt vom Kongress der DGS in Kassel geben.
Die heutige Eröffnungsveranstaltung war 2 1/2 Stunden geprägt von Grußworten, Preisverleihungen und ähnlichem, die jedoch überraschend interessant waren und mir einen ersten Einblick in den “Wissenschaftsbetrieb” Soziologie gegeben haben. Mit einigen der Namen konnte ich sogar etwas anfangen… ![]()
Der eigentliche Höhepunkt war aber die Rede von Jan Philip Reemtsma danach, der den Grundriss einer neuen “Soziologie der Gewalt” vorgestellt hat, die die Gewalt nicht als Wirkung bestimmter Ursachen, sondern als eigenständiges gesellschaftliches Phänomen betrachtet. Dabei legt er besonderen Wert auf den Körperbezug und die Annahme der Gewaltlosigkeit in der Moderne. Diese Annahme sei eine reine Illusion, aber sie erhalte das Vertrauen in die modernen, insb. staatlichen Institutionen. Den Umgang mit der ständigen Enttäuschung dieser Erwartung sieht er in drei Prozessen:
- Temporalisierung (”wir müssen Gewalt noch anwenden”, in Anlehnung an Luhmann)
- Spacialisierung (”Auf dem Schlchtfeld darf Gewalt angewendet werden”)
- Verrätselung (”wie kann er nur…”)
Eine andere Perspektive, die er anführte ist die, dass es im Prinzip nicht um die Unterscheidunge legitime/illegitime Gewalt geht, sondern um die zwischen verbotener/erlaubter und gebotener. Den Fortschritt der Moderne sieht er dabei in der Einengung des Rahmens der erlaubten/gebotenen Gewalt und der Ausweitung des staatlichen Gewaltmonopols, die jedoch auch Risiken beinhaltet.
