29

Mär

Wissenschaftethik und geschlossene Räume im Internet

Das Internet ist schon seit einiger Zeit in das Blickfeld der Wissenschaft gerückt, und auch das “Web 2.0″ wird immer mehr zu einem wichtigen Forschungsgegenstand der Kommuunikationswissenschaft. Die neuen sozialen Netzwerke wie StudiVZ und SchülerVZ unterscheiden sich jedoch in einem wichtigen Punkt von dem klassischen Internet: Der Zugang zu ihnen ist beschränkt. Wie es auch in der realen Welt Räume gibt, die nur bestimmten Personen zugänglich sind (Unternehmen, Ministerien, Exklusive Clubs usw.), finden sich auch im Internet immer mehr “virtuelle Räume” bei denen es Zugangsbeschränkungen zu beachten gibt.

Jan Schmidt vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg zeigt diese Problematik am Beispiel des StudiVZ-Ablegers SchülerVZ auf, das ein spannendes Forschungsobjekt darstellen, zu dem der Zugang jedoch nur Schülern erlaubt ist (Forschungsethik im Social Web - Bitte um Mitarbeit). Natürlich könnten sich interessierte Forscher mit einem fiktiven Schüler Zugang zu dem Netzwerk verschaffen, die notwendige Einladung dafür ist schnell organisiert, aber diese Vorgehensweise wirft natürlich wissenschaftsethische Fragen auf. Daher bemüht sich Jan Schmidt nun, forschungsethische Richtlinien für die Forschung in sozialen Netzwerken zu erarbeiten.

Ich bin zwar weder Internet-Forscher, noch Kommunikationswissenschaftler, noch habe ich mich intensiv mit der Wissenschaftsethik auseinandergesetzt, aber in meinen Augen gibt es eigentlich keinen großen Unterschied zwischen realen geschlossenen Räumen und virtuellen. Auch wenn die Frage auch für die “reale Welt” nicht abschließend beantwortet werden kann, so sollte doch auch hier die eiserne Regel für Kommunikation im Internet gelten: “Tue nichts im Internet, was du nicht auch Offline tun würdest”. Bei einem Netzwerk wie SchülerVZ wäre, in meinen Augen, eine Anfrage beim Betreiber der richtige Weg, ob dieser einen Zugang für die Wissenschaftler erlauben kann. Ob ein “Einschleusen” durch einen fiktiven Account oder die Nutzung des Zugangs eines Schülers, der diesen dafür zur Verfügung stellt, vetretbar wären, ist schwierig zu sagen und hängt, in meinen Augen, von der Art der Forschung ab und von ihrem Potenzial, den Nutzern oder den Betreibern des Netzwerks Schaden zuzufügen, oder ihr Vertrauen zu missbrauchen.


Verwandte Beiträge

6 Kommentare (RSS)

  1. Überwachen mit Twitter at viralmythen am 30. März 2008, 00:07 Uhr

    [...] oder sogar nur bestätigten Kontakten einsehbar sind, ist Twitter in der Praxis weitgehend ein offenes Forum. Nur eine geringe Zahl von Personen macht von der Möglichkeit gebrauch, ihr Profil für [...]

  2. Marc | Wissenswerkstatt am 30. März 2008, 14:07 Uhr

    Das ist in der Tat eine hochspannende Frage. Wie damit umgehen, daß man (das jedenfalls vorausgesetzt) eine legitime wissenschaftliche Fragestellung bearbeitet, dazu aber sich mogelnderweise, etwa mit einem “Fake-Account” in ein an sich geschlossenes virtuelles Netz einschleusen müßte.

    Das hat ja schon fast die Qualitäten echter ethischer Dilemmata. Dein Vorschlag (Anfrage beim Betreiber der Plattform) ist allerdings in meinen Augen auch nicht ganz problemlos - zwar besser als das Einrichten eines Fake-Accounts, aber müßte der Betreiber nicht zuvor die Mitglieder befragen, ob generell so etwas gestattet werden sollte?

    Also: in meinen Augen wäre die Zustimmung der Foren-/Plattform-Mitglieder erforderlich…

  3. Weltenkreuzer am 30. März 2008, 14:38 Uhr

    Auch in den AGB scheint sich SchulerVZ nicht das Recht gesichert zu haben, auch Nicht-Schülern den Zugang unter gewissen Umständen zu erlauben. Um eine Userbefragung käme man also, streng genommen, tatsächlich nicht herum. Aber wie ließe sich sowas organisieren?

  4. Wissenswerkstatt | Standards für eine Web-Forschungsethik ::: Tolle Website, schlechtes Buch "Die Google-Falle" | Werkstatt-Ticker 05 am 31. März 2008, 08:09 Uhr

    [...] Nils (2008): Wissenschaftethik und geschlossene Räume im Internet. In: Weltenkreuzer, 29. März [...]

  5. Marc | Wissenswerkstatt am 31. März 2008, 08:37 Uhr

    Ich bn spontan vollkommen überfragt, wie und v.a. mit welchem Aufwand das organisierbar wäre. Und ich fürchte, daß die Betreiber der Portale kaum kooperationsbereit wären.

  6. Empirische Sozialforschung und journalistische Recherche im Social Web at coolepark.de am 2. April 2008, 17:00 Uhr

    [...] Vorgehen sicherlich nicht viel zu tun. Die sich daraus ergebenden Folgefragen sind mittlerweile an verschiedenen Orten weiterdiskutiert worden. Auch ich habe mich mit einem kurzen Einwurf beteiligt, den das [...]

Eigenen Kommentar abgeben