Die klassische wirtschaftswissenschaftliche Theorie sagt über Unternehmen in erster Linie folgendes aus: Unternehmen versuchen ihren Gewinn zu maximieren und entscheiden sich deshalb immer für diejenige Handlung, die ihnen am erfolgversprechendsten erscheint.
Dass dies jedoch keineswegs so ist, sollte wiederum jedem klar sein, der auch nur eine Woche innerhalb eines Unternehmens verbracht hat. So sind oftmals Routinen und etablierte Handlungsweisen maßgebend: “Das haben wir doch schon immer so gemacht.” Es zählt aber auch, was die Konkurrenz macht: “Firma XYZ bringt eine Limonade mit Melonengeschmack auf den Markt? Das müssen wir auch!” Ein weiterer wichtiger Punkt, der auf den ersten Blick kaum ersichtlich ist, sind die Erwartungen, die andere an das Unternehmen stellen. Seien es Banken, die Kredite zur Verfügung stellen, Zulieferer, die wichtige Vorprodukte erzeugen oder die Gesellschaft im Allgemeinen, die auf der Einhaltung gewisser ethischer Standards besteht.
Solche Erwartungen werden in der soziologischen Theorie als “Institutionen” bezeichnet und seit den späten 1970er Jahren unter dem Etikett “Neo-Institutionalismus” auch im Kontext der Organisationstheorie analysiert. Ich selber habe mich in meiner Diplomarbeit ausfühlich mit dieser Theorie und ihren Schwächen auseinandergesetzt und freue mich daher umso mehr, dass es beim sozlog eine sehr gelungene Einführung in die Grundgedanken dieses Ansatzes zu lesen gibt: Neoinstitutionalistische Theorie in der Organisationsforschung.
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Nachdem ich jetzt meine Stelle in Oldenburg angetreten habe und die ganze anfängliche administrative Arbeit weitestgehend hinter mir liegt, kann ich so langsam auch mal wieder an Wissenschaft denken. In erster Linie wird dies in den nächsten Monaten wohl die Soziologie des Raums sein. Also die Frage danach, was Räume eigentlich sind, wie sie konstituiert werden und wie sie das Handeln der Menschen prägen.
Um diese Arbeit zu begleiten, habe ich ein neues englischsprachiges Blog eingerichtet, das ab jetzt unter elusivespace.eu zu erreichen ist. Schaut doch mal vorbei!
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Denken wir mal ganz abstrakt und theoretisch: Woher weiß ich eigentlich, dass die Welt existiert? Klar, das ist eine Frage, wie sie in Literatur, Film und Fernsehen schon oft gestellt wurde und die gerade mit der zunehmenden Virtualisierung des Lebens immer drängender wird. Descartes bietet hierzu eine besonders schöne Argumentation:
Ausgehend von seinem Diktum “Ich denke also bin ich” kommt er zu dem Ergebnis dass auch das, was “Ich” denkt oder fühlt existiert. Da es Dinge gibt, die “Ich” sinnlich wahrnehmen kann, muss diese Wahrnehmung, die sicher existiert, irgendwo ihren Ursprung haben. Descartes sieht dabei drei Möglichkeiten: die eigene Seele, Gott oder das tatsächlich existierende Ding. Die Seele kann es nicht sein, denn sie hat keine Kontrolle über ausgelöste Gefühle, Gott kann es auch nicht sein, denn der Eindruck eines Dings, das nicht existiert wäre dann ein Trugbild und Gott sei kein Betrüger. Also müssen solche Dinge außerhalb des “Ich” existieren.
Eine schöne Argumentationsfigur, die gleichzetg gut aufzeigt, wie weit die Wissenschaft und unsere Phantasie inzwischen fortgeschritten sind - wenn auch zu dem Preis, dass der Existenzbeweis von Dingen wohl immer noch nicht erbracht ist ;-). Eine moderne Antwort auf Descartes könnte also folgendermaßen aussehen:
Die Seele könnte doch der Ursprung für die Wahrnehmungen sein, da sie nur zu einem äußerst geringem Teil der Kontrolle des reflxiven Bewusstseins unterliegt - Freud lässt grüßen.
Auch ein transzendentales Wesen könnte der Ursprung sein, wenn es eigene Interessen verfolgt und den Mensch nicht als Krone der Schöpfung, sondern als Mittel zum Zweck sieht - Matrix lässt grüßen.
Und schließlich ist das ganze Prinzip “Beweis durch Ausschluss aller anderen Mögichkeiten” kaum anwendbar, wenn sich unendlich viele andere Möglichkeiten denken lassen.
Trotzdem weist Descartes auf wichtige Aspekte hin: Damit ein Ding Gefühle auslösen kann, muss es existieren. Dann muss aber auch die “Seele” darauf ansprechen und dem Ding ein Gefühl “zuordnen” und dass irgendeine traszendentale Kraft in der Entstehung der Wahrnehmungsapparate des Menschen und der “Seele” eine Rolle spielt, wird sich wohl nie endgültig widerlegen lassen…
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Im Alltag haben wir alle möglichen Symbole um uns herum. Seien es Wörter, mit denen wir bestimmte Gegenstände bezeichnen, Nummern, die Rangordnungen wiedergeben oder Verkehrszeichen, die komplexe Regeln und Verhaltensvorgaben auf ein einfaches Bild reduzieren. In diesem Zusammenhang macht das SZ-Magazin auf eine neue Entwicklung aufmerksam: Die Symbolkraft von Telefonnummern.
Eigentlich könnte man denken, eine Telefonnummer sei eine mehr oder weniger zufällige Kombination aus Ziffern, mit der ein Telefonanschluss eindeutig angewählt werden kann. Die Vergabe von Telefonnummern ist jedoch keineswegs zufällig, sondern transportiert eine Menge Information: Die Vorwahl ermöglicht es, den Ort des Angerufenen festzustellen, bei älteren Nummern weisen die ersten Ziffern der Nummer auf den Stadtteil hin, eine 8 als erste Ziffer lässt auf einen frühen ISDN-Anschluss schließen und eine sechsstellige Nummer in einer Großstadt auf einen lange etablierten Anschluss. Der Artikel im SZ-Magazin stellt Handy-Vorwahlen in den Mittelpunkt.
Vor einigen Jahren war die Handy-Welt noch klar geordnet: 0171 bedeutete T-Mobile, 0172 war Arcor D2 und 0177 E-Plus. Dann kamen immer mehr Nummern hinzu 0170, 0160, 0175 usw. usf. Wer heute noch eine der alten Vorwahlen hat, symbolisiert damit einerseits Kontinuität und andererseits aber auch, dass er ganz am Anfang schon auf den Mobiltelefon-Zug aufgesprungen ist. Lange Recherche über die Erfahrung eines potentiellen Geschäftspartners kann abgekürzt werden - wer eine 0171-Nummer hat, der ist schon seit einigen Jahren im Geschäft.
Auf diese Weise wird eine scheinbar zufällige und an sich wertlose Nummer auf einmal zu einem geschäftlichen Wert, der sich eventuell sogar in manifesten finanziellen Gewinn umsetzen lässt. So werden derartige Nummern mittlerweile bei Ebay als “V.I.P.-Nummern” gehandelt (0171, 0172, 0177)
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Heute ist es also passiert: Die Maschine hat den Menschen endgültig mit ihrer Intelligenz überholt!
Diesen Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man die mediale Berichterstattung über das Duell Computer Deep Fritz gegen Schachweltmeister Kramnik betrachtet. Spiegel-Online titelt beispielsweise “Ende einer Ära“.
Doch betrachtet man genauer, was hier eigentlich passiert ist, kommt man zu einer deutlich weniger dramatischen Aussage: “Computer rechnen schneller als Menschen”… Kaum aufregend… So gehaltvoll wie “Autos bewegen sich schneller als Menschen” oder “Maschinen haben mehr Kraft als Menschen”. Ein normaler PC mit 3Ghz-Prozessor schafft etwa 6 Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde (Quelle), ein Mensch, sehr großzügig gerechnet, eine (Quelle). Da Computer und Mensch beim Schachspiel über dieselbe Zeit verfügen, ließe sich dieses Setting mit einem 1 Kilometer-Wettrennen zwischen Mensch und Düsenjet vergleichen. Kaum ein faires Duell. Spannend wäre es zu sehen, wie sich der Computer schlagen würde, wenn ihm nicht dieselbe Zeit, sondern dieselbe Anzahl an Rechenoperationen zustünde. Wenn Kramnik zwei Stunden Zeit für eine Partie hat, blieben für den Computer noch 0,0000012 Sekunden! Denn Rechenkapazität hat nichts mit Intelligenz zu tun. Und dass Maschinen schneller rechnen können als Menschen, wissen wir ja eigentlich schon seit den ersten Taschenrechnern…
Wenn man das im Hinterkopf behält, ist es eher verwunderlich, dass der Mensch so lange mit der Maschine hat mithalten können. Woran liegt das? Schach ist ein Spiel, das seine Komplexität aus der Vielzahl der möglichen Züge gewinnt: Alleine für die ersten zehn Züge gibt es, wenn ich mich nicht irre, mehr als 10 Milliarden Zugkombinationen. Mensch und Computer gehen nun vollkommen anders mit dieser Komplexität um:
Der Computer berechnet jeden einzelnen Zug, jeden einzelnen möglichen Folgezug für jeden möglichen eigenen Zug und so weiter. Er muss also für die ersten 10 Züge einige Milliarden Züge berechnen.
Der Mensch geht dieses Problem ganz anders an: Schon nach wenigen Sekunden hat sich die Zahl der potentiellen Züge auf eine einstellige (!) Zahl reduziert. Dasselbe gilt für die im Kopf vorweg genommenen Folgezüge. Oft reduziert sich diese Zahl (gerade in der Eröffnung und im Endspiel) noch deutlich stärker. Durch seine Intelligenz gelingt es dem Menschen, die Zahl der für ihn notwendigen Rechenoperationen massiv zu senken. Er erkennt bestimmte Muster wieder und ist in der Lage, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden. Der Computer kann das nicht. Wer sich bereits mit Spracherkennungssystemen herumgeschlagen hat, hat am eigenen Leib erfahren, wie schlecht Maschinen in der Mustererkennung sind.
Spannend wird es erst bei der Frage, warum es gerade das Schachspiel ist, bei dem der Computer durch reine Rechenkapazität den Eindruck von Intelligenz erweckt. Dazu in den nächsten Tagen mehr.
(Lesetipp: Laszlo Merö: Die Grenzen der Vernunft. Kognition, Intuition und komplexes Denken.)
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So, die mit Spannung erwartete Veranstaltung ist vorbei und ich muss sagen, dass ich in Bezug auf das, was mich vorrangig interessiert hätte recht enttäuscht bin. Leider ging es viel zu wenig um die Deutungsmuster als vielmehr um ihre Relevanz in der Sozialwissenschaft. Interssant war es trotzdem:
F. Krotz (Erfurt) führte kurz in das herrschende kommunikationstheoretische Paradigma der Kommonikation als Signalübertragung ein und erläuterte seine Unangemessenheit. C. Stegbauer (Frankfurt/M.) erläuterte den Beitrag der Physik zur Netzwerkanalyse und zum Abschluss präsentierten J. Gerhards und M. S. Schäfer (Berlin) eine empirische Analyse der medialen Human-Genom-Forschungsdebatte in verschiedenen Ländern, die sie als “von Wissenschaftlern dominiert” bezeichneten.
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Inhaltlich fand ich diese Vorträge über die Erklärungsheuristik der “Colemanschen Badewanne” wenig weiterführend, da sie sich vorallem in paradigmatischen Unterschieden verloren und sich in meinen Augen auf einer zu hohen Abstraktionsebene abspielten (und das will was heißen ;-)).
Viel interssanter fand ich es, danach die Diskussion zu beobachten, die mir eindrücklich vor Augen geführt hat, dass auch wissenschaftliche Diskussionen zu Glaubenskonflikten ausarten können…
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Die moderne Biologie (insb. Genforschung und Neurologie) stellen die Soziologie auf den ersten Blick vor große Herausforderungen: Sie greifen die Paradigmen der Sozialisation (Gegenpol: genetische Determinierung) und des freien Willens an. Doch in ihrem Vortrag argumentierte Renate Mayntz (Köln), dass diese Entdeckungen für die Soziologie folgenlos bleiben. So gibt genetische Vererbung nur die Grenzen dessen vor, was durch Sozialisation erworben werden kann und es sei für die Analyse der Gesetzmäßigkeiten des Handelns der Menschen im Prinzip egal, ob das Handeln durch einen “freien Willen” oder durch neurologische Automatismen gesteuert werde.
Auch wenn ich Mayntz prinzipiell zustimme, muss ich doch zu Bedenken geben, dass die “Entzauberung” des freien Willens insofern Einfluss auf die Soziologie hätte, dass zukünftig die Ergebnisse der Hirnforschung viel stärker in die Konzeption von Akteursmodellen einfließen müsste.
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Dieses Plenum heute morgen bot einen Interessanten Einblick in die Netzwerk-Analyse:
Zu Beginn gaben A. Flache (Groningen) und S. Schnettler (Yale) einen Einblick in die Entwicklung der Modellierung großer und komplexer Netzwerke (Internetseiten, telefonische Ferngespräche…) und die “Small-World-Forschung” (Basierend auf der These, dass in bestimmten hochkomplexen Netzwerken die Elemente nur wenige Schritte voneinander entfernt sind).
Es folgten P. Windolf (Trier) und L. Krempel (Köln), die die Entstehung und die Auflösung der Deutschland AG aus einer netzwerktheoretischen Perspektive betrachteten. Dabei legte L. Krempel besonderen Wert auf die Visualisierung von Netzwerken und die Mustererkennung, zu der nur der Mensch in der Lage ist und keine statistischen Kennzahlen.
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Diese Veranstaltung war, neben dem Plenum “Natur als Deutungsmuster?” morgen, für meine Diplomarbeit sicherlich die interessanteste.
U. Schimank und S. Wilz (Hagen) begannen mit einer Gegenüberstellung zweier verschiedener Entscheidungskonzeptionen: Einerseits der klassischen entscheidungstheoretischen “rationalen Wahl” und andererseits Entscheidungen als “praktisches Gelingen”, das nicht immer einer bewussten Reflexion unterworfen sein muss. (Zu diesem Komplex werde ich mich wahrscheinlich später nochmal ausführlicher äußern)
Es folgte S. Voswinkel (Frankfurt/M.) mit seiner Darstellung des Entscheidungsprozesses bei der Personalauswahl in Unternehmen. Er legte hier besonderen Wert auf den Umgang mit Entscheidungsaufgaben mit unklaren Kriterien und unter Effizienzdruck und führt den Begriff “Entscheidungsorganisation” ein, in dessen Zentrum, nach meiner Interpretation, die Legitimationserzeugung durch Formalisierung eines hochkomplexen Entscheidungsprozesses steht.
Darauf folgte O. Dimbath (Augsburg) mit einer Darstellung der Rolle von Intution in Berufsentscheidungsprozessen bei Schulabgängern. Hier stellt er Intuition als ein “Entscheidungsverfahren” dar, dass insb. in zeitbeschränkten und unsicheren Situationen angewandt wird. Er hebt aber auch den kommunikativenv Rationalisierungsdruck hervor.
Zum Abschluss redete T. Klatetzki (Siegen), der kurzfristig für G. Ortmann eingesprungen war, über Sinnkonstruktion in “naturalistischen” Entscheidungsituationen (komplex, hoher Zeitdruck, hoher Erfolgsdruck; Bsp: Feuerwehr, Atomkraftwerke, Krankhäuser) und die Rolle, die die Wiedererkennung bestimmter Muster in diesen Situationen spielt. Zudem legte er besonderes Augenmerk auf die Rolle der Identität des Handelnden in solchen Situationen.
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