Kategorie: Meta-Wissenschaft

13

Nov

Was die Wissensgesellschaft braucht…

Die “Wissensgesellschaft” ist einer der zentralen Begriffe wenn es um die Analyse der Charakteristika der heutigen Gesellschaften geht. Es geht nicht mehr in erster Linie um Nahrungserzeugung oder Güterproduktion. Diese sind in den Hintergrund getreten vor einem neuen Rohstoff: dem Wissen.

Wissen scheint die treibende Kraft allen Fortschritts zu sein: Es treibt Wirtschaftswachstum und Wohlstand, verlängert Leben und verbessert die Lebensqualität, fördert das Verständnis der Natur und macht den Menschen glauben, er könne sie beherrschen. Auch in Deutschland steht das Wissen und die “Wissensgesellschaft”, zumindest rhetorisch, im Mittlepunkt der politischen Diskussion und Aktivität. Die Lissabon-Strategie der EU und die Kampagne “Land der Ideen” setzen am Wissen an und schreiben ihm fast schon Allmacht zu.

Aber befassen wir uns mal mit der Realität abseits dieser Rhetorik: Damit Wissen in die Gesellschaft eingehen kann bedarf es zweierlei: Es muss produziert werden und es muss einen Weg finden, auf das Leben der Menschen Einfluss zu nehmen. Für Ersteres ist die Wissenschaft, egal ob öffentlich oder privat finanziert, zuständig. Sie schafft das Wissen, das der Rohstoff der Moderne zu sein scheint. Also müsste man davon ausgehen können, dass alle politische Rhetorik dazu führt, die Fähigkeit der Wissenschaft, ihrer Arbeit nachzugehen, zu verbessern. Dass dem, zumindest im universitären Bereich, nicht so ist, habe ich anderer Stelle ausgeführt (Risikofaktor Wissenschaft) und kann das nach nun immerhin einem Monat konkreter Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb nur aufrecht erhalten.

Für die Verbreitung (Soziologenchinesisch: “Diffusion”) des Wissen gibt es, in meinen Augen, zwei Mechanismen: Die Wirtschaft, die neue Erkenntnisse in Produkte umsetzt und mit diesen das Leben der Menschen beeinflusst, und die Medien, die Wissen in seiner “reinen Form” verdichten, einordnen und der Allgmeinheit zugänglich machen sollten. Doch in den Medien scheint sich, wie in der Wissenschaft auch, eine große Gruppe qualifizierter und motivierter junger und weniger junger Menschen zu entwickeln, die von ihrer Arbeit nicht leben können. So beschreibt Gabriele Bärtels in einem Artikel in der ZEIT (Schreiben macht arm) ihren täglichen Kampf um Veröffentlichungen, Zeilenhonorare und die nächste Mietzahlung.

Kann es angehen, dass in dermaßen wichtigen Bereichen in unserer “Wissensgesellschaft” solche Verhältnisse vorherrschen? Dass Menschen, die ihr Leben in den Dienst eines fundamentalen Pfeilers der Gesellschaft stellen, unter solchen Bedingungen leben und arbeiten müssen? Wie kann man erwarten, dass sich qualifizierte Hochschulabgägner für Karrieren entscheiden, deren Aussichten dermaßen ungewiss sind, während Unternehmen mit (zumindest auf dem Papier) langfristigen Verträgen, Entwicklungsperspektiven und angemessenen Gehältern locken? Natürlich, der Idealismus gleicht vieles aus, aber vielleicht ist irgendwann der Zeitpunkt gekommen, wo sich die Leute sagen: “Macht euren Mist doch alleine!” Und dann ist das Geschrei groß…


29

Okt

Hilfen für kreative Arbeit

Es kommt ja immer mal wieder vor, dass man sich ein wenig kreativ betätigen muss oder sich tiefer in ein Thema einarbeiten oder mit einem Problem beschäftigen will. Ein wenig Struktur in diesen normalerweise recht chaotischen Prozess bringen die Thinking Guides von Exploratree.

Eine Passage der Nutzungsbedingungen macht die Nutzung dieser Seite jedoch für sensible Projekte unmöglich:

…you agree, by submitting your contribution, you grant Futurelab Education a perpetual, royalty-free, non-exclusive, sub-licensable right and license to use, reproduce, modify, and publish your contribution freely and without restriction.

Allerdings hindert das einen natürlich nicht daran, die Verfahren einfach auf Papier vor dem Rechner anzuwenden…

(Quelle: lifehacker)


30

Mai

Informationsplattform Open Access

Das Thema Open Access beschäftigt die wissenschaftliche Öffentlichkeit im Internet weiterhin: So ließ sich vor Kurzem die Deutsche Gesellschaft für Publizistik - und Kommunikationswissenschaft hier im schönen Bamberg auf ihrer Jahrestagung von einer äußerst sehenswerten Keynote von Wikipedia Begründer beschallen, um sich danach auf ihrer Mitgliederversammlung gegen ein eigenes englischsprachiges Open Access Magazin zu entscheiden und stattdessen allen Mitglieder ein Zwangsabonnement zweier deutscher Zeitschriften aufzuzwingen. Die Reaktionen der bloggenden Forscher dazu waren eindeutig (Jan Schmidt, Peter Schumacher, Steffen Büffel, Thomas Pleil und Tina Guenther; Reaktion des Halem Verlags)

DFG, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz Gesellschaft und viele andere wissenschaftliche Institutionen scheinen dem Thema gegenüber etwas offener eingestellt zu sein und unterstützen ein sehr lobenswertes Projekt der Unis Berlin (FU), Bielefeld, Göttingen und Konstanz, ein Informationsportal zum Thema Open Access zu schaffen: www.openaccess-germany.de

Hier finden sich vor Allem auch sehr interessante Informationen für Wissenschaftler, die sich mit dem Gedanken tragen, Arbeiten Open Access zu veröffentlichen. Das heutige System von Anerkennung und Reputation hat diese Publikationsform ja leider noch kaum auf dem Radar und auch im Bezug auf Verlage, die Fachzeitschriften veröffentlichen, könnte sich an dieser Stelle ja das ein oder andere Problem ergeben.


18

Mai

Risikofaktor Wissenschaft

Hm… wenn ich diesen exzellenten Artikel in der Wissenswerkstatt lese, überkommen mich doch wieder leise Zweifel, ob ich mich im Herbst wirklich in die Promotion stürzen möchte.

Auch wenn ich mir anschaue, dass Kommilitonen, die in der letzten Zeit ihr Studium abgeschlossen haben, mit Einstiegsgehältern von über 30.000€ aufwarten können, scheint es mir doch etwas merkwürdig, mich mit einer halben Stelle zu begnügen, die nicht viel mehr als den studentischen Lebensstandard sichern kann.

Aber die Lösung für dieses Problem liefert Marc gleich mit:

Der einzige nachvollziehbare Grund, weshalb dieses System der Ausbeutung funktioniert, ist das große Faszinosum, das wissenschaftliche Arbeit nichtsdestotrotz darstellt. Denn ja, für die Vielzahl dieser prekär Beschäftigten im Alter von 30-40 Jahren ist die Möglichkeit wissenschaftlich zu arbeiten ein Traum. Und für diesen Traum werden Unsicherheiten und finanzielle Durststrecken fast immer akzeptiert.

Genau das gilt auch für mich. Ich möchte wissenschaftlich arbeiten, Studenten dabei unterstützen, das Studium abzuschließen und immer wieder neue Dinge lernen. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, mich jeden Tag in ein Büro zu setzen und mein Engagement einem Unternehmen zukommen lassen, dass mich in der ersten Krise auf die Straße setzen kann. Dann lieber schlecht bezahlte aber spannende Arbeit an einer Universität. Ich möchte nicht für Geld arbeiten, sondern für mich. Und das geht, solange das Geld für Wohnung, Lebensmittel, Kleidung, Bücher, CDs, DVDs, einen gelegentlichen Kneipenbesuch und Bahntickets reicht…

Und was die Perspektivlosigkeit angeht, kann ich nur sagen: “Schaun wer ma, dann sehn wer schon.”


28

Mär

Totale Überwachung für die Forschung?

In der Schweiz wollen Forscher in einem riesigen Forschungsprojekt über 20 Jahre hinweg die Entwicklung von 3000 Kindern verfolgen. Auch Eltern und Großeltern sollen in die Studie einbezogen werden, um so ein möglichst umfassendes Bild der Kindheit und Jugend der Probanden zu erzeugen. Im Mittelpunkt steht dabei das Interesse an der Entstehung psychischer Störungen wie Angststörungen oder Depressionen.

Für einen empirischen Wissenschaftler stellt ein solches Projekt sicherlich den absoluten Himmel auf Erden dar: Aus einer großen Stichprobe werden sehr umfangreiche Daten erhoben, die so ziemlich alle erdenklichen Faktoren abdecken können und auf dieser Grundlage ließen sich sicherlich äußerst spannende Schlussfolgerungen ziehen. Auch für Soziologen wären diese Daten sicherlich interessant, da man auch Untersuchungen zur Sozialisation oder Peer-Groups durchführen könnte.

Neben den ethischen und rechtlichen Einwänden, die sich beispielsweise bei Zeit.de finden, gibt es jedoch auch ein ganz zentrales methodisches Problem: Die Forscher verändern durch die Datenerhebung die Daten. So wird eine frühzeitig erkannte Depression sicherlich auch frühzeitig behandelt werden (müssen) und auch das sonstige Verhalten der Probanden wird sicherlich verändert sein. Eine regelmäßige körperliche Untersuchung könnte beispielsweise das Bewusstsein bezüglich der eigenen Ernährung schärfen oder die Eltern könnten sich unter stärkerem Druck sehen, ihrem Nachwuchs mehr Aufwerksamkeit zu widmen.

Im Angesicht dieser methodischen Probleme ist es fragwürdig, ob die gewonnenen Daten den Aufwand und die ethisch heikle Vorgehensweise rechtfertigen, die Durchführung einer derartigen Panel-Studie würde der (Entwicklungs-)Psychologie und den Sozialwissenschaften jedoch eine neue Dimension eröffnen.

Mehr Informationen:


20

Mär

Science Commons

Im sozlog, genauer gesagt im lesenswerten PDF, das am Ende des Beitrags verlinkt ist, bin ich gerade auf eine Initiative gestoßen, die sich das Thema “Open Access” auf die Fahnen geschrieben hat: Science Commons ist ein Projekt von Creative Commons und hat sich zum Ziel gesetzt, den freien Fluss wissenschaftlicher Informationen und Daten im Internet zu fördern. Momentan sieht mir das Ganze noch sehr USA-zentriert aus, aber es ist auf jeden Fall schön zu sehen, dass es auch hier organisierte Anstrengungen unternommen werden.


10

Mär

“A ‘Linux approach’ to publication”

Open Access in der wissenschaftlichen Publikationspraxis war ja schonmal Thema hier im Blog (Open Access in der Wissenschaft und Peer-Review und Publikationen). Jetzt erscheint das Magazin economics des Kieler Instituts für Weltwirtschaft auf eine Weise, die versucht, die Vorteile des Peer Review Verfahrens zu erhalten, gleichzeitig aber freien Zugang zu den Artikeln zu bieten:

Den übermittelten Papern wird für acht Wochen in den Status “discussion paper” zugewiesen. In dieser Zeit können andere Teilnehmer über die Artikel diskutieren und am Ende dieser acht Wochen entscheiden “Associate Editors” auf der Grundlage dieser Diskussionen darüber, ob ein Artikel endgültig veröffentlicht wird. Im “Advisory Board” sitzen dabei Hochkaräter wie George Akerlof, Avinash Dixit, Maurice Obstfeld, Amartya Sen und Jeffrey G. Williamson.

Ein sehr interessanter Ansatz, den ich sicherlich weiter verfolgen werde.

(Quelle: Organizations and Markets)


30

Nov

Peer-Review und Publikationen

In der Debatte um Open Access (z.B. hier, hier und hier) in der wissenschaftlichen Publikation wird oftmals auf die Wichtigkeit der “Qualitätskontrolle” wissenschaftlicher Arbeiten durch eine der Veröffentlichung vorgeschaltete Begutachtung der Artikel durch andere Wissenschaftler hingewiesen (z.B. hier). In meinen Augen erfüllt dieses “Peer-Review” insbesondere zwei Funktionen:

1. Qualitätskontrolle: Unbestritten sollten Arbeiten vor ihrer Veröffentlichung auf ihre Qualität hin überprüft werden: Die Argumentation sollte plausibel sein, die Arbeit sollte neue Aspekte beinhalten und natürlich muss auch die Methode gewissen Ansprüchen genügen.

2. Abgrenzung der Wissenschaft: Das Peer-Review ist ein wichtiger Baustein in der Abgrenzung des Wissenschaftssystems gegenüber der übrigen Gesellschaft: Nur wer die “richtigen” Begriffe an der “richtigen” Stelle verwendet, die “richtigen” Autoren zitiert und “fachangemessene” Argumente verwendet kann auf eine Publikation hoffen. Auf diese Weise werden existierende Paradigmen reproduziert, bestehende Argumentationsmuster gefestigt und “Querdenkern” der Einstieg erschwert.
Zudem hat gerade die Soziologie mit dem Vorurteil der Unverständlichkeit und verklausulierten Ausdrucksweise zu kämpfen, was sich durch die kooptative Struktur des Systems leider in Zukunft auch vorerst nicht ändern wird. Verständlich und zugänglich zu schreiben, wird oftmals als “unwissenschaftlich” bezeichnet.

Gibt es also eine Möglichkeit, die Qualitätskontrolle zu erfüllen, ohne dabei ein rigides Reproduktionssystem zu erzeugen? In meinen Augen lautet die Antwort auch hier wieder Open Access: Auf einer Veröffentlichungsplattform für wissenschaftliche Artikel könnte ein offenenes Review-System etabliert werden. Kritisierte Artikel werden nicht einfach nicht veröffentlicht, sondern zusammen mit den Kritikpunkten eingestellt.So kann sich eine offene Diskussion um neue Ideen entwickeln und gleichzeitig wird der wissenschaftliche Gehalt der Texte überprüft. Zudem erzeugt die Öffentlichkeit des Reviews größeren Druck auf die Autoren sauber zu arbeiten.


24

Nov

Open Access in der Wissenschaft

Tina Guenther weist in ihrem Sozlog auf die “Open Access”-Bewegung in der wissenschaftlichen Publikationspraxis hin. Hier werden Forschungsergebnisse nicht mehr (nur) in teuren Fachzeitschriften veröffentlicht, sondern für Jedermann kostenlos zugänglich im Internet.

In meinen Augen stellt dieser kostenlose Zugang aber nicht nur eine interessante neue Entwicklung dar, sondern sollte eigentlich den Grundstein für die Veröffentlichung öffentlich finanzierter Forschung darstellen. Es mutet doch sehr absurd an, dass der Steuerzahler Millionen für die Förderung unversitärer wissenschaftlicher Arbeit ausgibt und sich deren Ergebnisse dann zu horrenden Preisen von privatwirtschaftlichen Verlagen kaufen muss.

Auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs wird die Arbeit unnötig schwer gemacht: Bestimmte Zeitschriften sind an der Uni nicht verfügbar und auch online nicht zugänglich, Fernleih-Kopienbestellungen kosten (wenn auch hier in Bayern zugegebenermaßen nicht viel) und dauern einige Wochen. Ein kurzes Anlesen ist nicht möglich und das Abstracts nur selten etwas über die Verwertbarkeit eines Artikels in der eigenen Arbeit verraten ist auch keine Neuigkeit.

Was spricht also eigentlich dafür, dass eingefahrene Publikationssystem beizubehalten? Das zentrale Argument dürfte hier das Peer-Review-Verfahren sein, das sicherlich viele Vorteile aufweist. Aber auch dieses ließe sich ohne größere Probleme im Rahmen einer Internet-Plattform umsetzen.

Ich bin sehr gespannt, wann sich die ersten Bemühungen in diese Richtung entwickeln…


4

Sep

DA: Auf der Suche nach einem System

So, nachdem es jetzt wirklich mal mit meiner Diplomarbeit losgehen soll, stellt sich schon am Anfang ein schwerwiegendes Problem: Da ich in den nächsten Wochen und Monaten wahrscheinlich Unmengen an Literatur sichten und lesen werde, würde ich die gerne möglichst systematisch und zentral verwalten. Allerdings würde ich auch ganz gerne meine Texte über MindMaps erfassen.
Für beides habe ich schon nette Software ausfindig gemacht:

  • Citavi (der Nachfolger von Literat für die Literaturverwaltung in eingeschränkter Testversion)
  • FreeMind (für die Mindmaps, OpenSource)

Das Problem ist allerdings die Verknüpfung der beiden. Citavi kann zwar Zitate und Gedanken zu Texten verwalten und ist in dieser Hinsicht sehr machtvoll, aber natürlich kann es keine Mindmaps verwerten. Ich werde also wohl jeden Text doppelt auswerten müssen: Für meine MindMaps und im Hinblick auf Zitate, oder ich lasse die Maps gleich weg…