Vor knapp neun Monaten habe ich an dieser Stelle von einem beeindruckenden Vortrag berichtet, den der Informatiker Randy Pausch an der Carnegie Mellon Universität gehalten hat. Damals litt er unter Bauchspeicheldrüsenkrebs, hatte noch eine Lebenserwartung von ein paar Monaten und berichtete in einer erfrischenden und durchweg positiven Weise von seinem Leben, seinen Erfahrungen und seinem bevorstehenden Tod.
Heute ist Randy Pausch, 47-jährig, verstorben. Mit seiner Last Lecture hat er jedoch ein Vermächtnis hinterlassen, dass viele Menschen beeindruckt hat und beeindrucken wird und wahrscheinlich einige Leben zum Positiven verändert hat.
Magersucht ist heutzutage leider fast schon so etwas wie eine Modekrankheit geworden und unter jungen Menschen, insbesondere, aber nicht nur, Mädchen, recht weit verbreitet. Meist liest man darüber in abstrakten, sachlichen Texten. Was es eigentlich bedeutet, unter dieser schweren Krankheit zu leiden, erfährt man auf diese Weise jedoch nicht. Abhilfe schafft da der Erfahrungsbericht von Corinna, die einen langen Weg genommen hat, bis sie zu der Erkenntnis gekommen ist, magersüchtig zu sein. Diesen Weg beschreibt sie Eindrucksvoll in einer Reportage, die bei Spiegel Online zu lesen ist: Der Feind auf meinem Teller.
Respekt verdient sie dafür gleich doppelt: Einmal dafür, dass sie sich entschieden hat, den Kampf aufzunehmen und dafür, dass sie sich traut, über dieses sehr persönliche und teilweise auch tabuisierte Thema eine sehr ergreifende Reportage zu veröffentlichen.
Nachdem in den Medien und im Internet zurecht viel auf Skandalen, Fehlern und menschlichen Schwächen herumgeritten wird, werde ich ab jetzt versuchen, jede Woche einen Menschen vorzustellen, der in meinen Augen Respekt verdient hat. Das können Bekannte oder Unbekannte sein, Junge oder Alte, Reiche oder Arme. Sie haben nur eines gemeinsam: Sie haben etwas gesagt oder getan, von dem ich meine, dass es Respekt verdient.
Jörg Jaksche:
Im Juni 2007 gestand der Profi-Radfahrer dem Spiegel, dass er jahrelang gedopt habe. Er ging sogar noch weiter und berichtete von einem fest installierten Dopingsystem innerhalb seines Rennstalls und von Drohungen des Dänen Bjarne Riis, falls Jaksche im Rahmen seines Dopinggeständnisses Namen nenne. Jaksche ließ sich jedoch nicht davon abhalten und hat dies nun mit dem Ende seiner Karriere bezahlen müssen. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt er lapidar: "Ich habe kein Team gefunden. Man will mich nicht mehr."
Auch wenn man ihm vorwerfen könnte, seine Beichte sei aus Kalkül geschehen, um seine eigene Sperre zu verkürzen, so muss Jaksche bereits vorher gewusst haben, dass er, wenn er das "Kartell des Schweigens" bricht, aus dem Profi-Radsport als Paria ausgestoßen wird. Er hat dies in Kauf genommen und kann nun, zumindest im Hinblick auf das Doping, zurecht von sich behaupten: "…dafür kann ich jetzt als einer der wenigen aus der Szene aufrecht durchs Leben gehen."
Aufrecht durch das Leben gehen. Ein Thema, das alleine einen eigenen Blog wert wäre….
Eigentlich ist heutzutage ja Spezialisierung gefragt. Sachverhalte werden immer unübersichtlicher und Zusammenhänge immer komplexer, sodass nur ein echter Experte noch durchblickt. Dass kreatives Querdenken auch heutzutage - und vielleicht auch gerade heutzutage - noch seine Berechtigung hat, zeigt die Idee, Radwege durch Nummern an Abzweigungen zu kennzeichnen. Keine Karten mehr, nur noch eine Reihe von Nummern auf einem kleinen Zettel oder der Hand. Dieses System findet sich in der belgischen Provinz Limburg und ist eine Übertragung der Wegemarkierung in Bergwerken unter Tage.
Clevere Idee, auch wenn mich das Ganze ein wenig an die Farben und Formen erinnert, durch die in Deutschland Wanderwege gekennzeichnet sind, und mit deren “Hilfe” ich mich in der Fränkischen Schweiz schonmal heftig verlaufen habe…
Manchmal sind es die kleinen Fragen des Alltags, mit denen man sich man etwas genauer beschäftigen sollte: Tee gilt allgemein ja als preiswertes Getränk, also hab ich mal abgeschätzt, was mich ein Liter Tee tatsächlich kostet.
Teebeutel:
Nimmt man nicht den billigsten und will auch mal unterschiedliche Sorten ausprobieren, kommt man im Supermarkt um die Ecke auf ca. 1,80€ für 20 Teebeutel (eher weniger), also 9ct für einen Beutel. Normalerweise mache ich in eine Kanne Tee (1,5l) 3 Beutel, komme also auf einen Tee-Preis von 18ct pro Liter.
Strom:
Tee braucht kochendes Wasser, und der Wasserkocher verbraucht Strom. Mein Wasserkocher hat, laut Etikett, eine Leitungsaufnahme von 2200 Watt. Wenn er also 4.5 Minuten (gemessen) braucht, um 1,5 Liter kaltes Leitungswasser zum Kochen zu bringen, entspricht das 0,075h * 2,2 Kilowatt = 0,165 kWh. Bei einem Preis von 20,47ct pro KWh (Homepage meines Stromanbieters) macht das 3,37ct für 1,5 Liter, also Stromkosten von 2,24ct pro Liter
Wasser:
Fehlt schließlich noch der eigentliche Durststiller, das Wasser. Ein Kubikmeter kostet mich, laut Homepage, 1,42€. Ein Liter demzufolge ein Tausendstel davon, also 0,14ct pro Liter
Macht, schlussendlich, knapp 20,4ct (inkl. Mwst.) für einen Liter Tee. Den größten Anteil daran macht der eigentliche Tee aus, gefolgt vom Strom und schließlich dem Wasser.
Wer demnächst im Café den Preis für sein Kännchen Tee drücken will, kann sich gerne meiner Beispiel-Rechnung bedienen. Aber bitte daran denken, dass da auch noch Personal für Zubereitung, Service, Kassieren und Spülen, sowie Spülwasser mitberechnet werden müssen…
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fällt immer mehr auf, dass es oft, vielleicht zu oft, darum geht, Dinge "irgendwie" zu tun. Sätze wie "Ich muss das noch irgendwie hinbekommen.", "Schaffen Sie das irgendwie bis morgen Abend?" oder "Ich schaff das schon irgendwie" gehören heutzutage zum Alltag. Aber sollte es nicht eigentlich viel mehr darum gehen, Dinge "gut" zu erledigen? Warum fehlt heute eigentlich die Zeit, Dinge wirklich gründlich und qualitativ hochwertig durchzuführen? Immer mehr engen knappe Fristen, Überlastung und schlechtes Zeitmanagement den Zeitplan ein, sodass am Ende zwar vieles "irgendwie" geschafft wird, aber nichts mehr wirklich "gut".
Ist das überhaupt ein Problem? Ich denke schon, denn gerade Kreativität braucht Zeit. Um neue Wege zu entdecken, neue Techniken zu entwickeln oder bestehende zu perfektionieren, braucht man Zeit und die Gelegenheit, auf den ersten Blick unproduktive Dinge zu tun. Ansonsten kann man sich nur auf Bekanntes verlassen, von dem man weiß, dass es einem hilft, Dinge "irgendwie" zu tun. Um Fortschritt zu erreichen, egal ob in der Gesellschaft oder für den Einzelnen, ist diese Kreativität unabdingbar. Wer sich nur auf Etabliertes verlassen kann, weil ihm keine Zeit bleibt, Dinge kreativ und gut zu erledigen, der kann sich nicht weiter entwickeln und verharrt am selben Ort.
Dass Glück subjektiv ist und eng mit der eigenen Einstellung zusammenhängt, ist mittlerweile fast schon ein Allgemeinplatz. Glück ist aber noch viel subjektiver als wir allgemein annehmen. Menschen sind jedoch nicht gut darin, abzuschätzen, was sie glücklich macht und was nicht. So zeigt Dan Gilbert in seinem äußerst sehenswerten Vortrag bei der TED-Konferenz, dass sich Menschen oftmals gerade für die Variante entscheiden, die sie im Nachhinein unglücklicher macht:
Er präsentiert dazu ein Experiment, bei dem in einem ersten Schritt aufgezeigt wird, dass es sich negativ auf das subjektive Glücksempfinden auswirkt, eine schwere Entscheidung rückgängig machen zu können. Im zweiten Schritt wird dann aber gezeigt, dass sich die Mehrheit der Probanden dazu entschließt, sich diese Möglichkeit offen zu halten.
Diese Beobachtung lässt sich einfach durch die Fähigkeit des Menschen zur Dissonanzreduktion erklären: Wenn wir eine Entscheidung endgültig getroffen haben, neigen wir im Nachhinein dazu, diese “schönzureden” und Argumente dagegen schwächer zu bewerten, anstatt zu versuchen, die Entscheidung “nachträglich” zu optimieren. Auch hier präsentiert Gilbert äußerst spannende Experimente, die nahelegen, dass die kein bewusster Prozess ist, sondern vielmehr ein unterbewusster Automatismus. Daran schließt sich die Frage an, warum diese Art des “sythetischen Glücks” eigentlich im allgemeinen niedriger bewertet wird, als das “natürliche Glück”, wenn man bekommt, was man sich wünscht.
Die kognitiven Dissonanzen werden auch dann erhöht, wenn uns eine große Auswahl an Optionen zur Verfügung steht (siehe auch Wollen wir wirklich die Wahl haben?). Denn nur dann bekommen wir das Gefühl, durch unsere Entscheidung tatsächlich etwas ändern zu können und versuchen, sie zu “optimieren”. Allerdings überschätzen Menschen den langfristigen Einfluss bestimmter Ereignisse auf ihr Glücksempfinden massiv und sind so nicht in der Lage, tatsächlich optimale Entscheidungen zu treffen.
Was lernen wir daraus? Auch wenn alle Menschen nach Glück streben, sind wir doch meistens selbst das größte Hindernis auf diesem Weg. Dabei geht es nicht in erster Linie um Disziplin, soziale Kompentenz oder Karriere, sondern einfach um die Einstellung zum Leben: Glücklich wird man dann, wenn man aufhört es zu suchen.
Nicht nur soziale Netzwerke sind heutzutage für viele, insbesondere junge, Menschen ein zentraler Bestandteil ihrer Kommunikation (Communico ergo sum). Auch die ständige Erreichbarkeit durch Handys, Blackberrys oder E-Mails zwingt den Menschen Kommunikation auf - egal, ob sie die gerade wollen oder nicht. Aber wahrgenommen wird dieser Zwang nicht, vielmehr führt die Befreiung davon zu massivem Unwohlsein. Wie es jemandem ergeht, der einige Tage freiwillig auf diese Kommunikationsmittel verzichtet, kann man in folgendem Video beobachten: Unplugged Forbes Editor in Tears After Two Days
Nach der Schule und dem Studium denkt man leicht, man wisse nun alles, was man für ein erfolgreiches und erfülltes Leben wissen müsse. Aber ist dem tatsächlich so? Lernt man beispielsweise im Studium den Umgang mit Menschen? Lernt man, wie man sich eine neue Technologie zunutze macht, oder auch nur, wie man aus der überbordenden Produktvielfalt heutzutage das für sich richtige Produkt aussucht?
Meiner Ansicht nach nicht. Die wirklich wichtigen und praktischen Dinge lernt man so nebenbei. Nicht in Vorlesungen, nicht aus Büchern, sondern aus dem Leben und direkt von anderen Menschen. Damit man immer weiter lernen kann, gibt es jedoch eine wichtige Voraussetzung: Neugier.
Neugier ermöglicht es uns, uns immer wieder in neue Themen einzufinden, die Welt zu entdecken und ihre Wunder zu entschlüsseln. Neugier lässt uns neue Menschen kennenlernen und neue Perspektiven erkennen. Sie lässt jeden Tag neu und jeden Abend spannend werden.
Von Seth Godin gibt es jetzt ein schönes Video, in dem er erläutert, wie wichtig Neugier heutzutage ist: Curious