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Jun
Scheuklappen?
Spiegel Online berichtet von einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, nach der ein großer Teil der deutschen Jungmanager eine Karriere im Ausland plant. Auch habe bei denen, die in Deutschland bleiben möchten, die Karriere ganz eindeutig Priorität. Das zeigt sich besonders daran, dass ehrenamtliches Engagement zurück geht und sich junge “High Potentials” kaum noch für das Einsetzen, was außerhalb ihres Berufes vorgeht.
Diese Tendenz habe ich als Vorstandsmitglied einer Hochschulgruppe an einer wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät in den letzten Jahren leider auch an der Uni beobachten können. Es wird immer schwieriger, Studenten dazu zu motiveren, sich außerhalb der Lehrveranstaltungen zu engagieren. Dabei werden gerade die zentralen Skills, die einem in Vorlesungen nicht vermittelt werden und die ein Engagement massiv fördern kann, heutzutage am Arbeitsmarkt äußerst stark nachgefragt: Teamfähigkeit, Führungserfahrung, Projektmanagement, Organisationstalent…
In meinen Augen ist diese Tendenz auf den zunehmenden Druck und die höhere Unsicherheit zurückzuführen, denen Studenten heutzutage ausgesetzt sind. Überall wird kommuniziert: Nur Spitzennoten, ein schnelles Studium, Auslandserfahrung und Praktika ermöglichen nach dem Abschluss den Einstieg in einen attraktiven Job. Gerade ehrenamtliches Engagement bleibt hier leider außen vor. Der Konkurrenzkampf ist verdammt hart und Noten und Praktika sind etwas Greifbares, etwas das man messen und aufzählen kann. Engagement fördert auf sehr subtile Weise die Persönlichkeitsentwicklung und “Soft Skills”. Mit denen kann man sich nicht im Lebenslauf brüsten, denken Viele.
Verstärkt wird diese Tendenz aktuell durch die Bachelor-/Master-Studiengänge. Hier wird noch mehr Druck auf die Studenten ausgeübt, werden mehr Prüfungen in ein Semester gequetscht und starre Zugangsgrenzen zu den Masterprogrammen gesetzt. Auf diese Weise werden die Scheuklappen immer enger gezogen. Es ist den meisten Studenten vor lauter Anforderungen kaum noch möglich, sich neben dem Studium zu engagieren, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und über den Tellerrand hinauszuschauen.
Die Fehlwahrnehmung der Kriterien der Unternehmen und der immer stärkere Druck werden letztendlich dazu führen, dass die zukünftigen Manager in Deutschland zwar sehr viel theoretisches Wissen über Controlling, Finanzierung und Markting anhäufen, aber kaum noch in der Lage sind, dieses Wissen adäquat anzuwenden. An dieser Stelle geht, in meinen Augen, enormes Potenzial verloren und das auf einem Gebiet, auf dem in Deutschland ohnehin schon Nachholbedarf besteht.
Motje am 26. Juni 2007, 13:24 Uhr
Das kann ich nur bestätigen. Ich habe meinen ersten Job bekommen, genau weil ich eben diese Softskills aus Fachschaftsrats- und parteipolitischer Arbeit vorweisen konnte. Mit meinem Studium hat der Job nichts zu tun (und mit der Partei auch nicht).
Also: Engagiert Euch!