Archiv: November 2007

23

Nov

Ich glaube nur, was ich sehe!

Die meisten Menschen stecken großes Vertrauen in ihre eigene Wahrnehmung. Egal was andere erzählen, der eigenen Erfahrung wird immer mehr geglaubt werden.

Dass die Wahrnehmung getäuscht werden kann, kennt jeder aus verschiedensten optischen Täuschungen, aber wie sehr auch die Interpretation gegenständlicher Bilder von der eigenen Kultur bestimmt wird, lässt sich hier eindrucksvoll am eigenen Auge erfahren: A “Psychological” Optical Illusion


13

Nov

Was die Wissensgesellschaft braucht…

Die “Wissensgesellschaft” ist einer der zentralen Begriffe wenn es um die Analyse der Charakteristika der heutigen Gesellschaften geht. Es geht nicht mehr in erster Linie um Nahrungserzeugung oder Güterproduktion. Diese sind in den Hintergrund getreten vor einem neuen Rohstoff: dem Wissen.

Wissen scheint die treibende Kraft allen Fortschritts zu sein: Es treibt Wirtschaftswachstum und Wohlstand, verlängert Leben und verbessert die Lebensqualität, fördert das Verständnis der Natur und macht den Menschen glauben, er könne sie beherrschen. Auch in Deutschland steht das Wissen und die “Wissensgesellschaft”, zumindest rhetorisch, im Mittlepunkt der politischen Diskussion und Aktivität. Die Lissabon-Strategie der EU und die Kampagne “Land der Ideen” setzen am Wissen an und schreiben ihm fast schon Allmacht zu.

Aber befassen wir uns mal mit der Realität abseits dieser Rhetorik: Damit Wissen in die Gesellschaft eingehen kann bedarf es zweierlei: Es muss produziert werden und es muss einen Weg finden, auf das Leben der Menschen Einfluss zu nehmen. Für Ersteres ist die Wissenschaft, egal ob öffentlich oder privat finanziert, zuständig. Sie schafft das Wissen, das der Rohstoff der Moderne zu sein scheint. Also müsste man davon ausgehen können, dass alle politische Rhetorik dazu führt, die Fähigkeit der Wissenschaft, ihrer Arbeit nachzugehen, zu verbessern. Dass dem, zumindest im universitären Bereich, nicht so ist, habe ich anderer Stelle ausgeführt (Risikofaktor Wissenschaft) und kann das nach nun immerhin einem Monat konkreter Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb nur aufrecht erhalten.

Für die Verbreitung (Soziologenchinesisch: “Diffusion”) des Wissen gibt es, in meinen Augen, zwei Mechanismen: Die Wirtschaft, die neue Erkenntnisse in Produkte umsetzt und mit diesen das Leben der Menschen beeinflusst, und die Medien, die Wissen in seiner “reinen Form” verdichten, einordnen und der Allgmeinheit zugänglich machen sollten. Doch in den Medien scheint sich, wie in der Wissenschaft auch, eine große Gruppe qualifizierter und motivierter junger und weniger junger Menschen zu entwickeln, die von ihrer Arbeit nicht leben können. So beschreibt Gabriele Bärtels in einem Artikel in der ZEIT (Schreiben macht arm) ihren täglichen Kampf um Veröffentlichungen, Zeilenhonorare und die nächste Mietzahlung.

Kann es angehen, dass in dermaßen wichtigen Bereichen in unserer “Wissensgesellschaft” solche Verhältnisse vorherrschen? Dass Menschen, die ihr Leben in den Dienst eines fundamentalen Pfeilers der Gesellschaft stellen, unter solchen Bedingungen leben und arbeiten müssen? Wie kann man erwarten, dass sich qualifizierte Hochschulabgägner für Karrieren entscheiden, deren Aussichten dermaßen ungewiss sind, während Unternehmen mit (zumindest auf dem Papier) langfristigen Verträgen, Entwicklungsperspektiven und angemessenen Gehältern locken? Natürlich, der Idealismus gleicht vieles aus, aber vielleicht ist irgendwann der Zeitpunkt gekommen, wo sich die Leute sagen: “Macht euren Mist doch alleine!” Und dann ist das Geschrei groß…


9

Nov

Der freie Markt als Weltenretter? II

Mal wieder ein TED-Vortrag und mal wieder geht es um einen Weg, wie durch den Einsatz angepasster marktwirtschaftlicher Mechanismen Aufschwung erzeugt oder gefördert werden kann. Dieses Mal geht es um “geduldiges Kapital”, also echtes Investionskapital von rendite-interessierten Anlegern, das jedoch nicht kurzfristig, sondern langfristig verwaltet und für den Aufbau innovativer afrikanischer Firmen verwendet wird.

Im Gegensatz zu den bekannten Mikrokrediten (siehe auch Mikrokredite statt Entwicklungshilfe) geht es hier nicht darum, einzelnen Personen den Aufbau eines eigenen kleinen Unternehmens zu ermöglichen, das dann der Familie das Einkommen sichert, sondern um die Schaffung mittelständischer Unternehmen, die in spezialisierten Märkten eine führende Rolle übernehmen können.

Mal wieder ein spannendes Konzept, dem ich viele Nachahmer wünsche:

(Quelle)


8

Nov

Sprachen lernen leicht gemacht?

Jeder erinnert sich noch an seine Schulzeit: Vokabeln, Fälle, Verbformen, Vokabeln, unregelmäßige Verben, Artikel, Satzstellung, noch mehr Vokabeln… Sprachen lernen war kein Spaß, sondern harte Arbeit, Wissen, das mit Gewalt in den Kopf gepresst wurde, nur um diesen möglichst bald wieder zu verlassen. Dass Sprachen lernen auch Spaß machen kann, merken Viele garnicht und manche erst, wenn sie das erste Mal für eine längere Zeit im Ausland sind.

Tim Ferriss stellt in seinem Blog eine Methode vor, wie man eine Sprache innerhalb kurzer Zeit relativ gut beherrschen kann: How to Learn (But Not Master) Any Language in 1 Hour. Im Mittelpunkt stehen dabei einige wenige einfache Sätze, deren Übersetzung in die gewünschte Sprache bereits auf die grundlegenden Strukturen der Sprache hinweisen und Besonderheiten und Stolpersteine aufzeigen. Dann muss dieses Gerüst “nur” noch mit Vokabeln gefüllt werden, und los geht’s.

Sicherlich kein Ersatz für Kurse und harte Arbeit, aber den Einstieg in eine Sprache kann einem diese Vorgehensweise sicherlich erleichtern.


7

Nov

Ein Blick hinter die Kulissen

Jeder, der Blogs liest, begegnet ihnen immer und immer wieder: Templates, also Deisgn-Vorlagen, die bestimmen, wie sich ein Blog (und auch viele andere Webseiten) dem Leser präsentiert. Die Daten für ein Blog liegen meist in roher Textform in einer Datenbank und da das niemand lesen möchte, braucht es Templates, die diese Daten für den Leser ansprechend darstellen und überhaupt lesbar machen.

Da solche Templates nicht vom Himmel fallen, braucht es auch Leute, die in der Lage sind, solche Designs zu konzipieren, zu programmieren und auf die jeweilige Software anzupassen. Ich selber habe mich zwar schon an Templates für meine eigenen Seiten gewagt, aber wirklich professionelle Vorlagen sehen dann doch ganz anders aus und sind deutlich vielseitiger einsetzbar.

Wer den Entstehungprozess eines solchen Templates für das Blogsystem Wordpress, das auch diesem Blog zugrunde liegt, live mitverfolgen möchte, kann das bis zum 15. November auf dem Blog Theme Playground tun. Sicherlich auch für Leute interessant, die bisher nur die Ergebnisse der Template-Designer genossen oder über sie geschimpft haben:


4

Nov

BWL mal anders

Über die Unzulänglichkeiten des klassischen BWL-Studiums in Deutschland habe ich mich ja schon häufiger ausgelassen (Was ist Ökonomie und was ist sie nicht?, Scheuklappen?). Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in dem kleinen Ort Alfter bei Bonn bietet seit letztem Jahr eine äußerst spannende Umsetzung des Studiengangs Betriebswirtschaftslehre an. Hier stehen neben BWL auch noch Kunstpraxis und  -wissenschaften, sowie ein Studium Generale auf dem Programm. Ein äußerst vielversprechender Ansatz.

(Quelle)


1

Nov

ich… Ich… ICH!

Was sagt es über Deutschland aus, wenn es hier Leute gibt, die sich gegen den Bau einer Kindertagesstätte in ihrer Straße dermaßen zur Wehr setzen, dass diese nun hinter einer Lärmschutzwand versteckt wird?

Für mich ist das ein absolutes Armutszeugnis. Bei uns gibt es viel zu wenige Kinder und denjenigen, die sich von allen Schwierigkeiten, Kosten und Einschränkungen nicht abhalten lassen und Kinder in die Welt setzen, werden von allen Seiten Steine in den Weg gelegt. Ich kann und will es nicht verstehen.

(Anlass: Kindergarten mit Lärmschutzwand)