Archiv: Oktober 2007

31

Okt

Ganz simple Pädagogik

Was macht ein Lehrer anders, dessen Schüler ihre Freizeit damit verbringen, die Geschichte ihrer Heimatstadt zu erforschen und dabei so gut sind, dass sie regelmäßig erste Preise beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten abräumen? Das Erfolgsgeheimnis von Werner Ostendorf aus Mainz ist ganz simpel:

Machen lassen, dann klappt das schon.

Äußerst simpel, aber leider von viel zu wenigen Lehrern verinnerlicht.

(Quelle)


29

Okt

Hilfen für kreative Arbeit

Es kommt ja immer mal wieder vor, dass man sich ein wenig kreativ betätigen muss oder sich tiefer in ein Thema einarbeiten oder mit einem Problem beschäftigen will. Ein wenig Struktur in diesen normalerweise recht chaotischen Prozess bringen die Thinking Guides von Exploratree.

Eine Passage der Nutzungsbedingungen macht die Nutzung dieser Seite jedoch für sensible Projekte unmöglich:

…you agree, by submitting your contribution, you grant Futurelab Education a perpetual, royalty-free, non-exclusive, sub-licensable right and license to use, reproduce, modify, and publish your contribution freely and without restriction.

Allerdings hindert das einen natürlich nicht daran, die Verfahren einfach auf Papier vor dem Rechner anzuwenden…

(Quelle: lifehacker)


28

Okt

Der freie Markt als Weltenretter?

Wenn es um die wirtschaftliche Entwicklung armer Weltregionen geht, dann steht bei den westlichen Politik-Gestaltern oftmals das Credo “lasst uns einen freien Markt einführen” im Mittelpunkt. Dass die gesetzten Ziele durch das unbedachte Überstülpen westlicher Strukturen jedoch keinesfalls erreicht werden müssen, habe ich bereits an anderer Stelle dargestellt (s. Demokratisierung und Friedenssicherung).

Vielmehr muss es darum gehen, die Erfahrungen und das Wissen, dass wir mittlerweile über das Funktionieren und Scheitern von Wirtschaftssystemen angesammelt haben, zu nutzen und für jede Region, jedes Land oder jede Stadt eine maßgeschneiderte Lösung zu erarbeiten. So hat Hernando de Soto in einer Analyse des lateinamerikanischen Wirtschaftssystems die Rechtsunsicherheit als zentralen Hinderungsfaktor eines wirtschaftlichen Aufschwungs ausgemacht (s. Freiheit für das Kapital) und Eleni Gabre-Madhin stellt eine Initiative in Äthiopien vor, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Verteilung von produzierten Lebensmitteln innerhalb des Landes zu verbessern.

Dabei geht es dem Team um die langjährige Weltbank-Ökonomin nicht darum, die Lebensmittel durch staatliche Einrichtungen zuteilen zu lassen, sondern sie wollen einen nationalen Markt schaffen, der es den Farmern ermöglicht, ihre Produkte mit geringerem Risiko und geringerer Abhängigkeit zu handeln: Die Ethiopia Commodity Exchange (ECEX).
Dabei werden aber nicht einfach standardisierte Verfahren übernommen, sondern die Einrichtung ist speziell auf die Gegebenheiten in Äthiopien ausgerichtet. So unterhält die ECEX eigene Lagerhäuser, in denen Qualitätsprüfungen und Zertifizierungen genauso durchgeführt werden, wie das Clearing der Bezahlungen. Es werden Terminals in den Provinzstädten eingerichtet, an denen die Farmer Zugriff auf die wichtigsten Preis- und sonstigen Daten haben usw.

Wer mehr wissen will, schaue sich am besten den Vortrag von Eleni Gabre-Madhin auf der TED-Konferenz im März 2007 an:


(Quelle)

Eine äußerst spannende Initiative, der ich allen Erfolg wünsche.


26

Okt

Welche Farbe hat Strom?

Wer jetzt “Also ich glaube, Strom ist gelb” anwortet, der erinnert sich sicher noch an die Markteinführung von yello Strom. Das Buch des damaligen Kampagnenmachers Bernd Kreutz “Also ich glaube, Strom ist gelb” gibt es jetzt kostenlos zum Download.

Das Buch bietet einen tollen Einblick in die Welt der Marken und die Kunst, ein Produkt, das jeder für selbstverständlich hält und das man erst bemerkt, wenn es fehlt, ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und eine Marke zu etablieren. Nicht zuletzt das Schlagwort “Grüner Strom” ist sicherlich auch eine Nachwirkung dieser Verknüpfung von Strom und Farben. Zudem ist das Buch äußerst locker geschrieben und sehr unterhaltsam (Ausführliche Rezension).

Ach, und es erinnert mich daran, dass ich in ferner Vergangenheit ja auch mal Marketing studiert habe… ;-)

(Quelle: Bernd Röthlingshöfer)


18

Okt

Stadt der Schweine

Letzte Woche bei der Eröffnung der Ausstellung Ökomedien im Edith-Ruß-Haus hier in Oldenburg bin ich auf ein äußerst schräges Projekt des niederländischen Designstudios MVRDV gestoßen, das sich eine platzsparende Methode, Schweine artgerecht und energieneutral zu halten ausgedacht hat:

Und zwar schlagen die Designer vor, Schweine in knapp 600 Meter hohen Hochhäusern zu halten, in denen zahlreiche “artgerechte” Farmen übereinander geschichtet sind. Unten befindet sich dann ein Schlachthof und auf den Schweinefarmen Fischfarmen zur Anreicherung des Futters, und eine Bioas-Anlage einschließlich einem mehr als einhundert Meter hohem Gastank.

Wer jetzt meint, mit einer solchen Anlage könne man ein Land wie die Niederlande bequem versorgen irrt. 77 solcher Türme wären nötig, um die gesamte aktuelle Schweinefleischproduktion der Niederlande zu ersetzen. Dazu kämen dann noch die Flächen, die für den Anbau von Bio-Futtergetreide notwendig wären…


15

Okt

Was ist Raum?

Nachdem ich jetzt meine Stelle in Oldenburg angetreten habe und die ganze anfängliche administrative Arbeit weitestgehend hinter mir liegt, kann ich so langsam auch mal wieder an Wissenschaft denken. In erster Linie wird dies in den nächsten Monaten wohl die Soziologie des Raums sein. Also die Frage danach, was Räume eigentlich sind, wie sie konstituiert werden und wie sie das Handeln der Menschen prägen.

Um diese Arbeit zu begleiten, habe ich ein neues englischsprachiges Blog eingerichtet, das ab jetzt unter elusivespace.eu zu erreichen ist. Schaut doch mal vorbei!


14

Okt

Energieverbauch bei Bahn, Billigflieger und Auto

Die FAZ rechnet in einem Artikel vor, dass der Energieverbrauch der Bahn keineswegs so niedrig ist, wie allgemein angenommen wird und, alle Fixkosten für Streckenbau und -wartung sowie Wege von und zu Bahnhöfen eingerechnet, pro Passagier und 100 Kilometer nur geringfügig unter dem Verbrauch von Autos und sogar den Billigfliegern liegt. Lässt sich daraus jetzt der Schluss ziehen, Bahn fahren schone die Umwelt nicht deutlich mehr als Auto fahren?

Ich denke nicht, denn entscheidend für die einzelne Fahrt ist der zusätzliche Energieverbrauch, der durch sie ensteht. Bei einem Auto ist dies einfach: Entschließe ich mich mit meinem eignen Auto von Oldenburg nach Bamberg zu fahren, verbrauche ich dadurch knapp 40 Liter Benzin. Setze ich mich jedoch in einen Zug, verbrauche ich keinerlei zusätzliche Energie (den Mehrverbrauch durch das Körpergewicht mal ausgenommen). Dasselbe Argument gilt auch zugunsten des Flugzeugs.

An dieser Stelle kommt eine weitere Übelegung hinzu: Die Billigflieger sind zu 85% ausgelastet, Züge nur zu 33%. Während das Fugzeug also gut 17% mehr Passagiere transportieren könnte, ohne mehr Energie zu verbrauchen (auch hier vom Körpergewicht abgesehen, das bei Flugzeugen jedoch deutlich stärker ins Gewicht fallen sollte), liegt dieser Wert bei Zügen bei gut 200%. Denkt man an Fahrgemeinschaften, gibt es auch bei den Autos noch ein erhebliches Einsparpotential: So ist ein Auto durchschnittlich mit 1,5 Personen besetzt, der Durchschnitt der verfügbaren Sitzplätze durfte jedoch eher bei 3,5 liegen (eigene Abschätzung). Also könnten auch hier 130% mehr Personen transportiert werden, ohne das zusätzliche Energie verbraucht würde.

Fazit: Wer Energie sparend reisen will, sollte ohnehin fahrende/fliegende Transportmittel benutzen: Die Bahn, das Flugzeug oder eine Mitfahrgelegenheit, denn höhere Auslastung senkt bei allen Verkehrsmitteln den Verbrauch. Das größte Einsparpotential liegt dabei, in meinen Augen, bei der Bahn, gefolgt von Mitfahrgelegeneiten und dem Flugzeug


10

Okt

Eva Herman und die Dynamik öffentlicher Diskussion

Seit ihrem Rauswurf aus der Sendung Johannes B. Kerner steht Eva Herman erneut im Mittelpunkt des Medieninteresses. Warum sie dort steht ist leicht zu erkennen: Sie soll auf einer Pressekonferenz zum Erscheinen ihres neuen Buches die Familienpolitik des dritten Reiches gelobt haben. Das ist in Deutschland so ziemlich der sicherste Weg, öffentliche Empörung auszulösen - und das vollkommen zu Recht. Schaut man sich das, was Herman tatsächlich gesagt hat jedoch genauer an, erkennt man, in meinen Augen, dass sie das in keinerlei Hinsicht getan hat.

Im Folgenden werde ich die Diskussion in der Sendung von Johannes B. Kerner von gestern Abend (Zeitangaben beziehen sich auf das Video in der ZDF-Mediathek) mal genauer unter die Lupe nehmen:

Der erste wichtige Punkt zur Rekonstruktion von Hermans Meinung ist die Aufzeichnung des umstrittenen Zitats in einem etwas größeren Abschnitt (3:16):

Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde.

In meinen Augen macht dieser Satz Hermans Argumentation klar (die sie auch später - 13:12 - noch einmal ausdrücklich macht): Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (vor (!) dem dritten Reich) wurden Mütter als Mütter geschätzt, die eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllen. Dann wurde dieser Wert, der bei den Menschen verbreitet war, ausgenutzt und pervertiert. Auf diese Weise wurde der, nach Hermans Meinung, “gute” Wert, Mütter zu schätzen, angreifbar gemacht und schließlich durch die 68er abgeschafft. (Wie gesagt, das ist eine Rekonstruktion von Hermans Argument, nicht zwangsläufig meine eigene Meinung!)

Die einzige Wertung, die in diesem Argument steckt ist, dass es schade sei, dass der Wert, Mütter als Mütter zu schätzen, abhanden gekommen ist. Alles andere ist der Versuch, eine Kausalkette aufzustellen, warum dieser Wert verschwunden ist: Die Nazis haben ihn pervertiert, dadurch delegitimiert und die 68er ihn dann endgültig abgeschafft.

Dieses Argument ist auf vielen Ebenen angreifbar: Gab es den Wert am Anfang des 20. Jhdt. wirklich? Waren es wirklich die 68er, die ihn “abgeschafft” haben? Ist Hermans Frauenbild wirklich zeitgemäß? etc. Den Vorwurf der Verherlichung der Nazi-Zeit kann ich daraus aber nicht ableiten.

Soviel zu Hermans Argumentation, jetzt ein paar Worte zur Medien-Dynamik:

Der Ausschnitt der Pressekonferenz geht nach dem oben genannten Zitat noch mit einem ziemlich krausen Satzungetüm weiter (3:40). Ich habe den Eindruck, dass Herman germerkt hat, dass sie sich nach dem oben zitierten Satz unbedingt von dem Nazi-Regime distanzieren müsse (laut Herman war der ganze Abschnitt eine freie Antwort auf eine Frage), um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, diese Zeit zu verherrlichen. Dieser Distanzierungssatz ist es nun aber, der ihr zum Verhängnis wird, da er so unübersichtlich ist, dass er nahezu beliebig interpretierbar wird.

Im Anschluss an den Ausschnitt der Pressekonferenz versucht der Historiker Wolfgang Wippermann, ihr eine Brücke zu bauen, indem er rekonstruiert, Herman wolle das konservative Familienbild verteidigen, verwechsele es aber mit der nationalsozialistischen Ideologie (6:14).

Wie ich oben schon dargelegt habe, macht Herman aber genau diese Unterscheidung bereits. Sie unterscheidet zwischen dem Wert und seiner Pervertierung durch das dritte Reich. Sie hat, meiner Ansicht nach, in diesem Moment zwei Möglichkeiten:

  1. Sie kann den Öffentlichkeitsprofi mimen und die Pille schlucken, missverstanden worden zu sein. Dann denen, die sie missverstanden haben, Recht geben und sich somit durch “Aufgabe” aus dem Kampf zurückziehen.
  2. Sie entschließt sich aber dazu, den Anderen das Missverständnis aufzeigen zu wollen und verstrickt sich dabei in eine Diskussion, in der sie, in meinen Augen, keine Chance hat: Die Medienöffentlichkeit ist zwar ein Platz für gesellschaftliche Diskussion, jedoch keineswegs der Ort eines Habermas’schen gesellschaftlichen Diskurses. Hier zählt nur in den seltensten Fällen das bessere Argument, sondern hier zählen Eingängigkeit, Verständlichkeit und Schlagwörter und da hat Herman bei diesem Thema keine Chance.

Kerner hätte an dieser Stelle für eine Sternstunde der deutschen öffentlichen Diskussionskultur sorgen können, wenn er die Diskussion auf die Meta-Ebene gehoben hätte und Schritt für Schritt versucht hätte, Hermans Argument zu rekonstruieren. Er folgt jedoch leider dem normalen Verfahren in Talkshows und geht nicht auf das ein, was Herman sagt, sondern zieht absurde Beispiele heran, um zu zeigen, wie nahe Hermans Äußerungen an denen der Nazis liegen (vgl. Andreas Zielcke in der Süddeutschen Zeitung). Als Herman dann feststellt, dass jemand, der den Begriff “gleichgeschaltet” als Ausdruck rechten Denkens sieht, dasselbe auch von allen Autobahn-Benuzern behaupten könne (zum Hintergrund: hr-online), hat sie die Sympatien aller Anwesenden endgültig verspielt. Nicht weil sie Unrecht hätte, sondern weil dieses Argument viel zu kompliziert und und unangenehm ist, als dass es in den Massenmedien vermittelt werden könnte.

Fazit: Dass Eva Hermans Argumentation, der Wert der Mutterschaft sei durch die Nazis pervertiert und entwertet worden, durchaus plausibel klingt und als zeitgeschichtliche Hypothese ernst genommen werden sollte, ist vollkommen egal für die Wahrnehmung dieses Arguments in der Öffentlichkeit. Durch einige ungeschickte Formulierungen und ihren unbedingten Willen, richtig verstanden zu werden, hat sich Eva Herman in eine Position manövriert, in der die Öffentlichkeit ihr nicht mehr zuhört, solange sie nicht bereit ist, in Sack und Asche zu gehen. Schade.

Weitere Kommentare zum Thema:


8

Okt

Gibt es eigentlich die Welt?

Denken wir mal ganz abstrakt und theoretisch: Woher weiß ich eigentlich, dass die Welt existiert? Klar, das ist eine Frage, wie sie in Literatur, Film und Fernsehen schon oft gestellt wurde und die gerade mit der zunehmenden Virtualisierung des Lebens immer drängender wird. Descartes bietet hierzu eine besonders schöne Argumentation:

Ausgehend von seinem Diktum “Ich denke also bin ich” kommt er zu dem Ergebnis dass auch das, was “Ich” denkt oder fühlt existiert. Da es Dinge gibt, die “Ich” sinnlich wahrnehmen kann, muss diese Wahrnehmung, die sicher existiert, irgendwo ihren Ursprung haben. Descartes sieht dabei drei Möglichkeiten: die eigene Seele, Gott oder das tatsächlich existierende Ding. Die Seele kann es nicht sein, denn sie hat keine Kontrolle über ausgelöste Gefühle, Gott kann es auch nicht sein, denn der Eindruck eines Dings, das nicht existiert wäre dann ein Trugbild und Gott sei kein Betrüger. Also müssen solche Dinge außerhalb des “Ich” existieren.

Eine schöne Argumentationsfigur, die gleichzetg gut aufzeigt, wie weit die Wissenschaft und unsere Phantasie inzwischen fortgeschritten sind - wenn auch zu dem Preis, dass der Existenzbeweis von Dingen wohl immer noch nicht erbracht ist ;-). Eine moderne Antwort auf Descartes könnte also folgendermaßen aussehen:

Die Seele könnte doch der Ursprung für die Wahrnehmungen sein, da sie nur zu einem äußerst geringem Teil der Kontrolle des reflxiven Bewusstseins unterliegt - Freud lässt grüßen.

Auch ein transzendentales Wesen könnte der Ursprung sein, wenn es eigene Interessen verfolgt und den Mensch nicht als Krone der Schöpfung, sondern als Mittel zum Zweck sieht - Matrix lässt grüßen.

Und schließlich ist das ganze Prinzip “Beweis durch Ausschluss aller anderen Mögichkeiten” kaum anwendbar, wenn sich unendlich viele andere Möglichkeiten denken lassen.

Trotzdem weist Descartes auf wichtige Aspekte hin: Damit ein Ding Gefühle auslösen kann, muss es existieren. Dann muss aber auch die “Seele” darauf ansprechen und dem Ding ein Gefühl “zuordnen” und dass irgendeine traszendentale Kraft in der Entstehung der Wahrnehmungsapparate des Menschen und der “Seele” eine Rolle spielt, wird sich wohl nie endgültig widerlegen lassen…


3

Okt

Sind Schwärme intelligent?

Spätestens seit Wikipedia oder del.icio.us ist das Thema “Intelligenz der Massen” nicht nur für Biologen oder Psychologen interessant, sondern spielt in zahlreiche weitere Lebensbereiche hinein. Ein Blickwinkel auf dieses Thema nimmt sich dabei die Natur zum Vorbild und analysiert “intelligente” Verhaltensweisen großer Schwärme oder Herden von Tieren. Dabei erfüllen einzelne Tiere lediglich eine kleine, repetitive Aufgabe, ohne den Blick auf das ganze Sytem zu haben, aber aufgrund ausgeklügelter Kommunikations- und Koordinationsmechnismen entsteht der Eindruck intelligenten Verhaltens des ganzen Schwarms.

Vor einiger Zeit veröffentlichte National Geographic einen ausführlichen Artikel zu dem Thema, der zu dem Schluss kommt:

Whether we’re talking about ants, bees, pigeons, or caribou, the ingredients of smart group behavior—decentralized control, response to local cues, simple rules of thumb—add up to a shrewd strategy to cope with complexity.

Hier liegt in meinen Augen jedoch ein grundlegendes Missverständnis vor. Die Schwärme sind nämlich gerade nicht in der Lage, echte Komplexität zu verarbeiten. Vielmehr hat sich evolutionär ein Verhaltensautomatismus herausgebildet, der eine ganz spezifische Aufgabe in einem ganz spezifischen Umfeld erfüllen kann: Ameisen finden Futter, Bienen eine neue Brutstätte und Karibus können Löwen entkommen. Treten aber Änderungen in der Umwelt auf, die die Wirkung der etablierten Verhaltensmuster stören, gibt es für den Schwarm keine Möglichkeit, sein Verhalten entsprechend anzupassen. Und gerade darin, der flexiben Problemlösung unter sich wandelden Umständen und der Fähigkeit zur Abstraktion liegt, in meinen Augen, der Kern der Intelligenz.

Ansonsten ließe sich jedes natürliche System, das eine ganz konkrete Aufgabe erfüllt als “intelligent” bezeichnen. Sei es der menschliche Blutkreislauf, der die Zellen mit Sauerstoff versorgt, der Wasserkreislauf, der Leben auf der Erde ermöglcht oder Pflanzen, die per Photosynthese Sauerstoff erzeugen.