Archiv: August 2007

29

Aug

Ein Licht am Ende des Tunnels

Das achtjährige Gymnasium (G8) erregt hier in Bayern immer noch die Gemüter. Da ich selber mein Abitur in acht Jahren gemacht habe und die Ineffizienzen des Schulsystems zu Genüge kenne, freue ich mich über einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der endlich den meiner Meinung nach richtigen Weg zu einer Reform des Schulsystems aufzeigt:

Der Geburtsfehler des achtjährigen Gymnasiums war, es von der Quantität her zu denken

Es kann nicht darum gehen, Schüler möglichst lange einzupferchen und ihnen immer mehr Stoff vorzukauen, den diese sich dann in die Köpfe zu stopfen haben. Vielmehr müssen Lerntechniken entwickelt, Kompetenzen erarbeitet und Grundlagen geschaffen werden. Auch der Weg hierzu findet sich in dem Artikel: kleine Lerngruppen, ein weniger starrer Lehrplan und weniger (!) Schulstunden

Denn bevor das G8 flächendeckend eingeführt wurde, gab es bereits Modellversuche. Gedacht waren sie als Leistungszug. Doch dann blieben die Anmeldungen aus. Die Schulen lockerten ihre Aufnahmeregelungen. Am Gisela-Gymnasium kamen auch Dreier-Kandidaten zum Zug, entscheidend war der Elternwille. Die Münchner Schule war eine von acht, die am ersten Probelauf teilnahmen.

Die Idee war, bei gleich bleibendem Lehrplan ein Schuljahr einzusparen. Letztlich fiel die 11. Klasse weg. In der Kollegstufe, also der 12. und 13. Klasse, trafen die Schüler dann wieder regulär auf den G9-Zug. Mit ihm mussten sie identische Abituraufgaben lösen.

Das Ergebnis ist erstaunlich: Die G 8-Absolventen sind mit 18,2 Jahren nicht nur eineinhalb Jahre jünger als ihre Mitschüler, sondern lagen mit einer durchschnittlichen 2,0 im Abitur auch fast um eine halbe Notenstufe besser. Und das, so Weinzierl, obwohl sie weder besonders begabt waren, noch mit 32 Wochenstunden ein höheres Unterrichtsdeputat hatten.


19

Aug

Wenn der Alltag symbolisch wird

Im Alltag haben wir alle möglichen Symbole um uns herum. Seien es Wörter, mit denen wir bestimmte Gegenstände bezeichnen, Nummern, die Rangordnungen wiedergeben oder Verkehrszeichen, die komplexe Regeln und Verhaltensvorgaben auf ein einfaches Bild reduzieren. In diesem Zusammenhang macht das SZ-Magazin auf eine neue Entwicklung aufmerksam: Die Symbolkraft von Telefonnummern.

Eigentlich könnte man denken, eine Telefonnummer sei eine mehr oder weniger zufällige Kombination aus Ziffern, mit der ein Telefonanschluss eindeutig angewählt werden kann. Die Vergabe von Telefonnummern ist jedoch keineswegs zufällig, sondern transportiert eine Menge Information: Die Vorwahl ermöglicht es, den Ort des Angerufenen festzustellen, bei älteren Nummern weisen die ersten Ziffern der Nummer auf den Stadtteil hin, eine 8 als erste Ziffer lässt auf einen frühen ISDN-Anschluss schließen und eine sechsstellige Nummer in einer Großstadt auf einen lange etablierten Anschluss. Der Artikel im SZ-Magazin stellt Handy-Vorwahlen in den Mittelpunkt.

Vor einigen Jahren war die Handy-Welt noch klar geordnet: 0171 bedeutete T-Mobile, 0172 war Arcor D2 und 0177 E-Plus. Dann kamen immer mehr Nummern hinzu 0170, 0160, 0175 usw. usf. Wer heute noch eine der alten Vorwahlen hat, symbolisiert damit einerseits Kontinuität und andererseits aber auch, dass er ganz am Anfang schon auf den Mobiltelefon-Zug aufgesprungen ist. Lange Recherche über die Erfahrung eines potentiellen Geschäftspartners kann abgekürzt werden - wer eine 0171-Nummer hat, der ist schon seit einigen Jahren im Geschäft.

Auf diese Weise wird eine scheinbar zufällige und an sich wertlose Nummer auf einmal zu einem geschäftlichen Wert, der sich eventuell sogar in manifesten finanziellen Gewinn umsetzen lässt. So werden derartige Nummern mittlerweile bei Ebay als “V.I.P.-Nummern” gehandelt (0171, 0172, 0177)