Archiv: Juli 2007

14

Jul

Der Glauben an Kennzahlen

Es scheint verlockend zu sein, aus einer positiven Kenzahl auf die Profitabilität des Unternehmens zu schließen, wie es der Netzökonom tut:

Facebook, die zurzeit schnellst wachsende Web 2.0 Community, scheint ihr Wachstum auch profitabel zu gestalten. […] Danach wird Facebook in diesem Jahr weit mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz erzielen und dabei ein signifikant positives Ebitda erzielen.

Wer sich jetzt neugierig nach der Definition des EBITDA umschaut, wird in der Wikipedia fündig:

Ertrag vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände

Und wer nicht hier schon stutzig wird, dem liefert der Artikel die entscheidene Interpretationshilfe gleich mit:

Die praktische Aussagekraft des EBITDA in der Finanzanalyse ist jedoch umstritten, da es im Vergleich mit dem Gewinn oder dem EBIT zahlreiche Aufwandspositionen ignoriert und im Vergleich mit dem freien Cash-Flow die Ersatzinvestitionen. […] Zur Zeit des Neuen Marktes wurde das EBITDA von manchen unprofitablen Unternehmen zur Verschleierung einer Verlustsituation genutzt, da es durch das Bereinigen des Ergebnisses um zahlreiche Aufwandspositionen unter Umständen trotzdem positive Werte liefert. Ein positives EBITDA sagt nichts darüber aus, ob ein Unternehmen tatsächlich profitabel ist.Für Finanzanalysten ist die übermäßige Betonung des EBITDA in der Finanzberichterstattung eines Unternehmens ein Warnsignal.

Wie der Netzökonom dann darauf kommt, aus einem positiven Wert auf Profitabilität zu schließen, ist mir schleierhaft.

Hier zeigt sich eine der großen Gefahren der modernen Welt: Da die Zusammenhänge immer komplexer werden und man immer mehr Wissen in immer mehr Fachbereichen benötigt, liegt es nahe, sich auf Kennzahlen zu verlassen, die Informationen bündeln und auf das Wesentliche reduzieren. Allerdings dürfen Kennzahlen nur dann verwendet werden, wenn sie wirklich die relavanten Aspekte der Realität abbilden. Dies ist aber nur in den allerseltensten Fällen wirklich der Fall, da Kennzahlen immer Informationen auslassen und selektieren müssen und daher systematisch stark fehleranfällig sind.


4

Jul

Irgendwie absurd…

Kommt es mir nur so vor, oder ist es irgendwie widersinnig, dass SWR 3 Tickets für das Live Earth Konzert in London verlost und dann die Gewinner für einen Tag mit dem Flugzeug nach England fliegt und dadurch “dem Klima schadet”?

Nachtrag (05.07.2007): Ich muss mich korrigieren. Die Gewinner fahren mit dem Zug…


1

Jul

Katze aus dem Sack

Eigentlich wollte ich ja nichts öffentlich machen, bevor ich nicht den Arbeitsvertrag in der Hand habe, aber da mein zukünftiger Arbeitgeber mich schon auf seiner Homepage führt, brech ich diesen Vorsatz doch mal einfach:

Aus Köln, genauer gesagt von der International Max Planck Research School on the Social and Political Constitution of the Economy, kam nach einem netten Gespäch anfang Mai leider eine Absage. Das hat mich aber nur bedingt gestört, da das rein auf die Forschung ausgerichtete Programm mir auf Dauer wahrscheinlich zu eintönig geworden wäre.

Stattdessen werde ich ab Oktober an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie bei Prof. Dr. Martin Heidenreich (Professur für Sozialstrukturanalyse der Bundesrepublik Deutschland (auch im internationalen Vergleich)) antreten und in erster Linie Lehrveranstaltungen abhalten und promovieren. :-)

Und da bis dahin noch unendlich viel zu tun ist, wird es die nächste Zeit hier im Blog wohl etwas ruhiger werden. Ich werd mich aber bemühen, ab und zu ein paar interessante Beiträge einzustellen.