Die Süddeutsche Zeitung hat ein spannendes Interview mit dem Stanforder Juristen und Copyright-Kritiker Lawrence Lessig geführt. Lessigs Kernforderung besteht darin, den Schutz der Urheberrechte der neuen Technologie anzupassen und nicht das im 20. Jahrhundert “zufällig dominierende System” zu verabsolutieren.
Ein weiteres gutes Beispiel für Pfadabhängigkeiten. Schön, wenn soziologische Theorie so plastisch wird…
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Heute ist es also passiert: Die Maschine hat den Menschen endgültig mit ihrer Intelligenz überholt!
Diesen Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man die mediale Berichterstattung über das Duell Computer Deep Fritz gegen Schachweltmeister Kramnik betrachtet. Spiegel-Online titelt beispielsweise “Ende einer Ära“.
Doch betrachtet man genauer, was hier eigentlich passiert ist, kommt man zu einer deutlich weniger dramatischen Aussage: “Computer rechnen schneller als Menschen”… Kaum aufregend… So gehaltvoll wie “Autos bewegen sich schneller als Menschen” oder “Maschinen haben mehr Kraft als Menschen”. Ein normaler PC mit 3Ghz-Prozessor schafft etwa 6 Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde (Quelle), ein Mensch, sehr großzügig gerechnet, eine (Quelle). Da Computer und Mensch beim Schachspiel über dieselbe Zeit verfügen, ließe sich dieses Setting mit einem 1 Kilometer-Wettrennen zwischen Mensch und Düsenjet vergleichen. Kaum ein faires Duell. Spannend wäre es zu sehen, wie sich der Computer schlagen würde, wenn ihm nicht dieselbe Zeit, sondern dieselbe Anzahl an Rechenoperationen zustünde. Wenn Kramnik zwei Stunden Zeit für eine Partie hat, blieben für den Computer noch 0,0000012 Sekunden! Denn Rechenkapazität hat nichts mit Intelligenz zu tun. Und dass Maschinen schneller rechnen können als Menschen, wissen wir ja eigentlich schon seit den ersten Taschenrechnern…
Wenn man das im Hinterkopf behält, ist es eher verwunderlich, dass der Mensch so lange mit der Maschine hat mithalten können. Woran liegt das? Schach ist ein Spiel, das seine Komplexität aus der Vielzahl der möglichen Züge gewinnt: Alleine für die ersten zehn Züge gibt es, wenn ich mich nicht irre, mehr als 10 Milliarden Zugkombinationen. Mensch und Computer gehen nun vollkommen anders mit dieser Komplexität um:
Der Computer berechnet jeden einzelnen Zug, jeden einzelnen möglichen Folgezug für jeden möglichen eigenen Zug und so weiter. Er muss also für die ersten 10 Züge einige Milliarden Züge berechnen.
Der Mensch geht dieses Problem ganz anders an: Schon nach wenigen Sekunden hat sich die Zahl der potentiellen Züge auf eine einstellige (!) Zahl reduziert. Dasselbe gilt für die im Kopf vorweg genommenen Folgezüge. Oft reduziert sich diese Zahl (gerade in der Eröffnung und im Endspiel) noch deutlich stärker. Durch seine Intelligenz gelingt es dem Menschen, die Zahl der für ihn notwendigen Rechenoperationen massiv zu senken. Er erkennt bestimmte Muster wieder und ist in der Lage, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden. Der Computer kann das nicht. Wer sich bereits mit Spracherkennungssystemen herumgeschlagen hat, hat am eigenen Leib erfahren, wie schlecht Maschinen in der Mustererkennung sind.
Spannend wird es erst bei der Frage, warum es gerade das Schachspiel ist, bei dem der Computer durch reine Rechenkapazität den Eindruck von Intelligenz erweckt. Dazu in den nächsten Tagen mehr.
(Lesetipp: Laszlo Merö: Die Grenzen der Vernunft. Kognition, Intuition und komplexes Denken.)
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In einem Artikel für den Zuender der Zeit trifft Carsten Lißmann den Nagel auf den Kopf:
Musik raubkopieren? Verboten, macht trotzdem jeder. Haschisch rauchen?
Verboten. Bei rot über die Ampel? Eigentlich auch verboten.
[…]
An dieser Stelle ein Vorschlag: Ja, lasst uns die Killerspiele
verbieten. Weg damit aus den Giftschränken der Technikfachmärkte und
weg damit aus den Internetcafes – mehr können wir sowieso nicht tun.
Und wenn dieses Thema dann endlich erledigt ist, lasst uns über etwas
anderes reden. Über Einsamkeit. Über junge Menschen, die offenbar nicht
wissen, wohin mit sich und ihren Sorgen. Die nicht viele Freunde haben,
dafür eine Waffensammlung. Lasst uns reden über Nachbarsjungen in einer
Kleinstadtsiedlung, die „schon immer komisch waren“ und „nie grüßten“.
Über Eltern, Lehrer, Mitschüler, die offenbar nicht merken konnten,
dass da über Jahre etwas schief lief. Über eine Gesellschaft, in der
das Undenkbare möglich ist. Über uns.
Ein Verbot von “Killerspielen” würde den heißen Brei auflösen um den Politik und Gesellschaft bei diesem Thema herumreden und uns endlich zwingen, die wahren Ursachen zu betrachten. Und das würde uns allen sehr wehtun…
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