Archiv: September 2006

26

Sep

Wirtschaftswissenschaft und Alltag

Tim Harford, britischer Wirtschaftsjournalist, verknüpft in seinen Kolumnen Dear Economist und The Undercover Economist in der Financial Times auf sehr unterhaltsame Weise und mit einem Augenzwinkern die Wirtschaftswissenschaften mit dem, was uns alltäglich begegnet…


22

Sep

Elektrischer Reporter

Das Handelsblatt wartet seit kurzem mit einem neuen, sehr interssanten Videoblog zum Thema Internet auf, das von Mario Sixtus produziert und moderiert wird: Der elektische Reporter. Sehenswert.

(Via Notebook | Online Journalismus)


21

Sep

ARD und ZDF widerlegen sich selber

Neue Munition gegen die geplanten GEZ-Gebühren für internetfähige Computer erhalten die Kritiker jetzt von unerwarteter Seite: In der vor kurzem veröffentlichten Nutzungsstudie von ARD und ZDF (via Bamblog) finden sich folgende Daten: Nur 11% der Internetnutzer benutzen dieses um live im Internet Radio zu hören. Am höchsten ist dieser Anteil in der Nutzergruppe der “Jungen Hyperaktiven” (8,1% aller Nutzer) mit 48%.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass jeder dieser 11% zumindest teilweise öffentlich-rechtliche Programme hört, bleibt eine sehr geringe Zahl tatsächlicher Nutzer übrig. Auf der Grundlage dessen eine allgemeine Gebührenpflicht zu fordern ist eigentlich nicht mehr nachvollziehbar…


18

Sep

Was ist Ökonomie und was ist sie nicht?

In der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung liefert Andreas Hoffmann einen sehr interessanten Einblick in die Geisteswelt der Ökonomen. Sein Fazit:

Ökonomen sind Künstler. Sie reduzieren die Wirklichkeit. Der Künstler sieht ein Gesicht, einen Baum und reduziert es auf das Wesentliche, er verfremdet, verwirft, gestaltet um, bis etwas Neues entsteht. Wie der Ökonom. Er reduziert die Welt und blendet vieles aus.
[...]
Doch etwas unterscheidet den Ökonomen vom Künstler: Der Maler weiß, dass er Kunst macht. Der Ökonom nicht. Pablo Picasso dachte nie, dass sein Guernica ein Foto des spanischen Bürgerkrieges ist. Der Ökonom aber schaut auf die Lego-Welt und sagt: “So ist das Leben.”

Nicht alle Ökonomen leben in Legoland, weswegen meine Zweifel vielleicht irgendwann schwinden. Ich hoffe auf die USA. Dort verstehen sich Ökonomen mehr als Wissenschaftler denn als Ayatollahs in Anzügen. Sie untersuchen, welche Legosteine etwas taugen und welche nicht. Man nennt das Empirie.
[...]
In Deutschland soll es auch einige dieser Ökonomen geben. Sie sagen, dass es den Homo oeconomicus nicht gibt, und zu diesen klugen Menschen gehört sogar der einzige deutsche Nobelpreisträger für Ökonomie, Reinhard Selten. Er warnt vor lebensfernen Theorien und spricht von “ökonomischem Imperialismus”. Aber noch sind Kritiker wie Reinhard Selten sehr, sehr leise. Hoffentlich werden sie lauter. Bis dahin hilft weghören, wenn die Lego-Menschen im Fernseher flimmern und reden.

Nach mittlerweile fünf Jahren wirtschaftswissenschaftlichem Studium kann ich mich der Analyse Hoffmanns eigentlich nur anschließen.


15

Sep

Medien gegen Blogs, die 317.

Wieder einmal legt sich eine “etabliertes” Organ des professionellen Journalismus mit der Heerschar der Blogger an. Die NZZ kommt in zwei Artikeln (Transparenz das Ziel, Intransparenz das Resultat, Sprachrohre einer egalitären (Medien-)Öffentlichkeit) zu dem Schluss, dass Weblogs nur in absoluten Ausnahmefällen überhaupt journalistisch zu nennen sind und dass sie kaum etwas zum öffentlichen Meinungsbild beitragen. Auch wird die Subjektivität und die Anfälligkeit für Manipulationen kritisiert. Thomas Knüwer, selber professioneller Journalist des Handelsblatts aber gleichzeitig bekannter Blogger antwortet mit bissiger Ironie:

Und so werden ihn bewahren mit allen Mitteln, den heiligen Gral der Medien. Und lassen ihn nicht mehr los. Verteidigen ihn mit unserem Blut und unserer Ehre. (Quelle)

Im Prinzip kann ich ihm zustimmen, allerdings haben einige der Argumente der NZZ durchaus etwas für sich. Ich denke auch, dass Blogs in ihrer heutigen Form nicht den Nachrichtenwert von Zeitungen erreichen können. Eine systematische, umfassende und halbwegs ausgewogene Auswahl an Weltereignissen auszuwählen und angemessen zu dokumentieren benötig eine gewisse Zentralisierung der Organisation. Das soll nicht heißen, dass Zeitungen in dieser Hinsicht unersetzlich wären. Ich denke, dass diese dich trotzdem in den nächsten Jahren auf massive Umwälzungen in ihrem Geschäftsmodell einstellen müssen. So erwartet der Report Zeitungen 2009, des prognos-Institus einen Rückgang der verkauften Auflage von 4,4% (von 2005 bis 2009) und kommt zu dem Ergebnis:

Die späte Einführung von Zielgruppenzeitungen und die langsame Reaktion auf die Internettrends waren Ausdruck einer mangelnden Kunden- und Markt-orientierung. Für Zeitungsverlage ist heute weniger relevant, wie die gedruckte Zeitung in 10 Jahren aussehen wird, sondern welche Bedürfnisse die Kunden - Käufer, Leser und Werbekunden - heute wirklich haben. Jeder Verlag muss sich die Frage stellen, mit welchen Produkten und Diensten er die erkannten Kundenbedürfnisse befriedigen kann.

Die NZZ hat durchaus recht, wenn sie auf bestimmte Gefahren, die Subjektivität und die fehlende organisierte Kontrolle von Blog-Inhalten hinweist, aber sie unterschätzt die Selbstregulierungskräfte des Netzes. Baut sich ein Hype (wie kürzlich lonelygirl15 (Quellen: Basic Thinking, Fischmarkt und YEALD) auf, findet sich schnell jemand, der diesen hinterfragt und im Falle eines Falles zum Platzen bringt. Zudem sind auch etablierte Medien nicht vor Fakes gefeit und beichten teilweise ebenso über diese Phänomene wie Blogger.

Was Analysen, Kommentare, wissenschaftliche Themen, Unterhaltung oder Hobbys angeht, sind die klassischen Medien den Blogs sogar systematisch unterlegen. Die begrenzte Ausstattung mit Personal stellt für diese ein großes Problem dar, während sich in Blogs Experten und Fans tummeln, die die meisten Journalisten mit ihrer Kenntnis in den Schatten stellen. Hier siegt Expertentum einfach über Generalistentum. Und genau in diesen Bereichen täten die etablierten Medien gut daran, Blogs ernstzunehmen und ihr Potential zu nutzen, anstatt ihre Existenz zu marginalisieren oder zu verteufeln.

Und auch wenn Blogs “nur” für eine Teilöffentlichkeit eine wichtige Informationsquelle darstellen, so ist diese Öffentlichkeit mittlerweile groß genug, um zum Thema in etablierten Medien zu werden und hat damit den heutzutage wichtigsten Test für öffentliche Relevanz bestanden.


12

Sep

Mal wieder ein OECD-Bildungsbericht

Die OECD hat mal wieder die Bildungsstandards in Industrienationen verglichen und das Ergebnis, das momentan durch alle Medien geistert, stellt Deutschland kein gutes Zeugnis aus: Zu wenige Akademiker um den zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. (FAZ.net, Sueddeutsche.de)

Ich bin zwar sicherlich der letzte, der das Deutsche Bildungssystem verteidigt, aber an dieser Studie ist mir aufgfallen, dass die Zahlen eigentlich kaum vergleichbar sind: So spielt in Deutschland auch in hochqualifizierten Berufen die Ausbildung eine sehr wichtige Rolle. Eine Krankenschwester in Deutschland zählt demzufolge nicht als Studienabsolventin, während eine Krankschwester in Großbritannien ein Studium absolviert hat. Demzufolge ist in Deutschland der Bedarf an Akademikern auch einfach geringer.
Hinzu kommt, dass der deutsche Regelabschluss, das Diplom, eher dem angelsächsischen Master entspricht, als dem Bachelor.

Um vergleichbare Zahlen zu erhalten müsste also in Deutschland das Vordiplom als Hochschulabschluss betrachtet werden (oder in anderen Staaten lediglich der Master) und alle Absolventen einer Ausbildung, die in anderen Ländern ein Studium benötigen würden, müssten ebenfalls hinzugerechnet werden. Mich würde sehr interessieren, wie die Zahlen dann aussähen…


10

Sep

DA: Erste Woche - Karl Weick und Niklas Luhmann

So, nachdem mein Diplomarbeitsthema (Rationalität als Rechtfertigungsnorm in Wirtschaftsunternehmen) in groben Zügen ja schon einige Zeit feststeht, habe ich mich seit Montag intensiv mit zwei Büchern beschäftigt, die meiner Konzeption von Organisationen sicherlich weiterhelfen werden:

Karl E. Weick: Der Prozess des Organisierens (The Social Psychology of Organizing)

Weick versteht Organisationen als eine Sammlung von Rezepten mit der Interaktionen zwischen Individuen gekoppelt werden. Zentrales Element ist für ihn der “doppelte Interakt”, eine wechselseitige Abhängigkeit zweier Individuen von bestimmten Handlungen des anderen. Ein Zyklus (eine Reihe gekoppelter doppelter Interakte) ist dann in der Lage Komplexität zu verarbeiten und ihr “Sinn” zuzuschreiben.
Dieser Prozeß erfolgt in drei Schritten: 1. Gestaltung (das Einklammern eines bestimmten Realitätsausschnitts), 2. Selektion (das Anwenden von “Kausalkarten” auf diesen Ausschnitt), 3. Retention (das Abspeichern des kompletten Komplexes zur späteren erneuten Anwendung)

Niklas Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisation

Ähnlich wie bei Weick stehen auch bei Luhmann Verhaltenserwarungen im Zentrum koordinierter Kooperation. Er argumentiert, wie eine Formalisierung von Organisationsstrukturen dazu beitragen kann, diese Koordination zu erleichtern. Nur einige Prozesse seinen hier genannt: Integration funktional differenzierter Subsysteme, Abstraktion von Erwartungen, Trennung von Motivation und Kommunikation, Stabilisierung gegenüber der Umwelt, Festlegung von Kommunikationsflüssen…

Beide Ansätze sind jedoch bereits etwas älter (Weick 1979, Luhmann 1964) und für mich wäre es wichtig zu wissen, inwieweit diese in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt oder kritisiert wurden. Meine nächster Schritt bzgl. dieser Ansätze wird es also sein, einen Überlick über den aktuellen Stand zu bekommen. Mal schauen, was sich da so findet…


8

Sep

Amazon schreitet voran

Bisher war die Verknüpfung von Internet und Film entweder illegal oder sie bestand aus einem Online-Kauf einer physischen DVD. Amazon.com bietet in den USA nun als erster Anbieter attraktive Kinofilme und TV-Serien zum Download an. Unbox nennt sich der Dienst, der allerdings auf ein eigenes Dateiformat (auf der Basis von WMV) setzt und das nur mit einer speziellen (bisher noch nicht Mac-kompatiblen) Player-Software abgespielt werden kann. Kauft man eine DVD kann man diese auf bis zu 2 Computern und 2 mobilen Endgeräten betrachten. Ein Transfer der Filme auf in normalen Spielern abspielbare DVD-Player ist jedoch nicht möglich. Dieses Modell erinnert mich sehr an den Hörbuch-Download-Anbieter Audible, bei dem ich selber seit einiger Zeit Kunde bin.

Zudem lassen sich bei Unbox auch Filme ausleihen. Diese sind dann 30 Tage “haltbar”, hat man einmal begonnen, sie anzuschauen verfallen sie aber nach 24 Stunden. Auch das klingt für mich eigentlich relativ fair…

Weniger revolutionär als die eigentliche technische Umsetzung, die sich sehr an bereits etablierten Online-Absatz-Modellen orientiert, ist für mich das Umdenken, dass wohl bei den Filmdistributoren stattgefunden haben muss, da sie nun bereit sind, reguläre Lizenzen für Download-Filme anzubieten. Mal sehen, was sich in dieser Hinsicht in Deutschland in der nächsten Zeit tut…

(via SpiegelOnline, Techcrunch)


7

Sep

Die Blogroll wächst

Heimlich, still und leise hat sich in den letzten Wochen meine Blogroll um zwei Blogs erweitert, an deren Entstehung bzw. Betreuung ich maßgeblich beteiligt bin:

  • Speybridge: Meine Mutter hat sich unter die Blogger begeben und berichtet aus verschiedenen Bereichen. Das Blog habe ich bei mir auf dem Server eingerichtet und das Design ist eine von mir (sehr stark) abgewandelte Version, des Weltenkreuzer-Templates.
  • Au Bord des Eaux: Hier berichtet eine Freundin von mir von ihrem übermorgen beginnenden Auslandsjahr in Bordeaux. Dafür habe ich versucht, im Rahmen der (beschränkten) Möglichkeiten, die myblog.de bietet, ein möglichst ansehnliches Design zu bauen…

Schaut’s euch mal an. Feedback zum Design gerne in den Kommentaren!


6

Sep

Spiegel-Online Relaunch

Wie es aussieht, wurde bei Spiegel-Online in der letzten Zeit heimlich, still und leise an einem neuen Design gearbeitet, das gerade online gegangen ist.
Gefällt mir. Und der Code scheint auch recht aufgeräumt zu sein…