Archiv: Juni 2006

30

Jun

Fanfest in Nürnberg

Wow.. dass ich mich gerade zu diesem Hammerspiel entschlossen hatte, mich ein paar Leuten aus meine Wohnheim auf der Fahrt zum Fanfest nach Nürnberg anzuschließen, war ja nun wirklich ein glücklicher Zufall. War aber auch echt heftig das Spiel, aber am Ende ist die Stimmung förmlich explodiert :-)
Eigentlich wollte ich aber mal auf den Moment eingehen, an dem mir doch ein wenig mulmig wurde:

Für die, die das Fanfest-Gelände in Nürnberg nicht kennen: direkt neben dem Festplatz ist das ehemalige Reichsparteitaggelände, dessen Außenseite das Gelände mit seiner imposanten Fassade flankiert.
Merkwürdig fand ich den Moment, in dem die Nationalhymne gespielt wurde, ich mitten in einer Menschenmasse stand, die die Hymne mitsang, rund um mich herum Deutschland-Fahnen im Wind flatterten und mein Blick auf eben diese Fassade fiel. Einen Moment lang habe ich echt die Vergangenheit vor meinem inneren Auge wiederaufsteigen gesehen, bevor ich mir des symbolischen Wertes dieser Aktion bewusst wurde: An diesem Ort, der eines der Zentren der brutalsten und menschenverachtensten Verbrechen an “fremden Menschen” der Geschichte war, feiern heute Menschen aus allen Teilen der Welt ein friedliches Fest und liegen sich in den Armen. Unglaublich! Ich hoffe und glaube, dass es nicht mehr lange dauert, bis “Deutscher” sein nicht mehr mit einem geschichtlichen Makel versehen ist. Ich rede dabei nicht von vergessen, sondern von einem “modernen” Umgang mit einem nach wie vor sehr wichtigen Thema.


29

Jun

Die Funktion der Medien

Das Handelsblatt veröffentlicht einen Essay über das veränderte Selbstbild der Journalisten in Deutschland. Dabei stellt der Autor (Frank A. Meyer, Journalist des Schweizer Ringier-Verlages) fest, dass sich die Rolle der Medien als “Vermittler [...] von Meinungen und Stimmungen und Nöten und Freuden” immer mehr wandelt hin zu einer selbstreferenziellen Sichtweise. Der Journalist ist nicht mehr die Stimme der Schwachen und Kontolleur der gesellschaftlichen Insitutionen, sondern er wird zunehmend selber zum Teil einer Institution, die dem Bürger gegenübertritt. Meyer geht sogar so weit, zu warnen: “Wir sind auf dem besten Weg, eine Kaste zu werden. Und die eherne Regel jeder Kaste heißt: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.”

Betrachtet man diese Argumentation aus soziologischer Sicht, zeigt sich, dass der Prozess, den Habermas “Die Kolonialisierung der Lebenswelt durch die Systeme” nennt, also das immer stärkere Einfließen systemischer Kriterien (Geld, Macht, Quote…) in die nicht-systemische Lebenswelt, die es uns überhaupt erst ermöglicht, miteinander zu interagieren, immer weiter fortschreitet.

Aus funktionialistischer Perspektive lässt sich feststellen, dass gesellschaftliche Subsysteme wie die Medien, aber auch die Politik und die Wirtschaft, immer weniger ihre eigentliche, sozial-integrative Funktion erfüllen, sondern immer mehr zum Selbstzweck werden. Die Frage ist, wie lange das gut geht, bis entweder Gesellschaften desintegrieren oder die Legitimität dieser Insitutionen von anderen Institutionen infrage gestellt wird.

(Linktipp via Indiskretion Ehrensache)


28

Jun

Wissen nach Noten?

Die Zeit präsentiert einen interessanten Artikel über die Aussagekraft von Schulnoten.  Dabei zeigt sich, dass Schulnoten eigentlich überhaupt nicht dazu geeignet sind, den Bildungsstand und schon gar nicht die Bildungsaussichten von Kindern zu bemessen. Dieselbe Mathearbeit (!) wird von unterschiedlichen Lehrern mit Noten von “sehr gut” bis “ungenügend” bewertet. Bei “subjektiveren” Fächern wie Deutsch ist die Streuung sogar noch stärker…

Wenn man jetzt noch betrachtet, dass in einigen Bundesländern die Noten nach der vierten Klasse das wichtigste (wenn nicht sogar einzige wirklich eingesetzte) Kriterium für die Schulempfehlung darstellen, dann kann man sich über die aktuellen Bildungsprobleme in Deutschland wirklich nicht mehr wundern.


28

Jun

Bamberger Hegelwoche - Tag 1

Momentan findet, mittlerweile zum 17. Mal, in Bamberg die “Hegelwoche” statt. Namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft halten Vorträge zu einem Thema an der Schnittstelle zwischen Philosophie und Gesellschaft. Dieses Jahr ist das Thema sehr auf der gesellschaftlichen Seite: “Europa weiter Denken”. Heute auf dem Programm:

Ein Vortrag des britischen Botschafters in Berlin, Sir Peter Torry, über die Briten als gute Europäer. Auch wenn er nicht viel Neues geboten hat, so gab es doch einige Denkanstöße über das, was Europa eigentlich auszeichnet und seinen zukünftigen Weg.

Ein Vortrag des ehemaligen Präsidenten der EU-Kommission, Dr. Jacques Santer, über die aktuelle Krise als Chance für die EU. Auch hier gab es nicht viel Neues, aber es hat mich überrascht, wie stark Santer doch eine Verlangsamung der Erweiterung fordert und für wie tief er die aktuelle Krise hält. Seiner Meinung nach steht im Moment alles Erreichte der letzten 50 Jahre auf dem Spiel.

Morgen geht es dann mit einem Vortrag des Präsidenten der Vereinigung der Europäischen Kulturstiftung, Prof. Dr. Olaf Schwencke, zum “Europa der Kulturen” weiter. Ich werde berichten…


23

Jun

Rosa WM-Brille?

Wer bisher dachte, die mometan ganz Deutschland in den Ausnahmezustand versetzende Fußball-WM werde von den Medien voller Überschwang und Euphorie kommentiert, den belehert Spiegel Online jetzt eines besseren. Geniale, wenn auch manchmal fast schon politisch unkorrekte Glosse.


20

Jun

Umbau

Wenn es hier in den nächsten Tagen/Wochen mal nicht so aussieht oder funktioniert, wie es soll, liegt das an den umfangreichen Umbauarbeiten, die ich dem Blog zukommen lasse. Trotzdem viel Spaß weiterhin beim Lesen!


4

Jun

Film: Flug 93

Da ist er also, der erste Film über die Attentatsserie vom 11. September 2001. Es ist fragwürdig, ob diese bereits lange genug her ist, um damit kommerzielle Erfolge feiern zu dürfen, aber Paul Greengras macht seine Sache in “Flug 93″ sehr gut. Er erzählt sehr ruhig, sehr unaufgeregt und ohne große Effekte, und trotzdem erreicht der Film eine unglaubliche Intensität. Die etwas wackelige und unscharfe Kamera, die sehr guten Schauspieler und das Skript leisten alle ihren Teil, um diesen Film wirklich beeindruckend zu machen. Dabei zeigt er erst ganz langsam die Entwicklung der Gesamtsituation aus der Perspektive der Luftsicherung und des Militärs (in diesen Szenen spielen sich einige der Beteiligten selber!) und blendet immer nur kurz in die Maschine des Flug 93, der auf einem Feld in Pennsylvania abstürzte. Zum Ende konzentriert er sich dann nur noch auf die Ereignisse an Bord dieser Maschine.