Eigentlich ist heutzutage ja Spezialisierung gefragt. Sachverhalte werden immer unübersichtlicher und Zusammenhänge immer komplexer, sodass nur ein echter Experte noch durchblickt. Dass kreatives Querdenken auch heutzutage - und vielleicht auch gerade heutzutage - noch seine Berechtigung hat, zeigt die Idee, Radwege durch Nummern an Abzweigungen zu kennzeichnen. Keine Karten mehr, nur noch eine Reihe von Nummern auf einem kleinen Zettel oder der Hand. Dieses System findet sich in der belgischen Provinz Limburg und ist eine Übertragung der Wegemarkierung in Bergwerken unter Tage.
Clevere Idee, auch wenn mich das Ganze ein wenig an die Farben und Formen erinnert, durch die in Deutschland Wanderwege gekennzeichnet sind, und mit deren “Hilfe” ich mich in der Fränkischen Schweiz schonmal heftig verlaufen habe…
Manchmal sind es die kleinen Fragen des Alltags, mit denen man sich man etwas genauer beschäftigen sollte: Tee gilt allgemein ja als preiswertes Getränk, also hab ich mal abgeschätzt, was mich ein Liter Tee tatsächlich kostet.
Teebeutel:
Nimmt man nicht den billigsten und will auch mal unterschiedliche Sorten ausprobieren, kommt man im Supermarkt um die Ecke auf ca. 1,80€ für 20 Teebeutel (eher weniger), also 9ct für einen Beutel. Normalerweise mache ich in eine Kanne Tee (1,5l) 3 Beutel, komme also auf einen Tee-Preis von 18ct pro Liter.
Strom:
Tee braucht kochendes Wasser, und der Wasserkocher verbraucht Strom. Mein Wasserkocher hat, laut Etikett, eine Leitungsaufnahme von 2200 Watt. Wenn er also 4.5 Minuten (gemessen) braucht, um 1,5 Liter kaltes Leitungswasser zum Kochen zu bringen, entspricht das 0,075h * 2,2 Kilowatt = 0,165 kWh. Bei einem Preis von 20,47ct pro KWh (Homepage meines Stromanbieters) macht das 3,37ct für 1,5 Liter, also Stromkosten von 2,24ct pro Liter
Wasser:
Fehlt schließlich noch der eigentliche Durststiller, das Wasser. Ein Kubikmeter kostet mich, laut Homepage, 1,42€. Ein Liter demzufolge ein Tausendstel davon, also 0,14ct pro Liter
Macht, schlussendlich, knapp 20,4ct (inkl. Mwst.) für einen Liter Tee. Den größten Anteil daran macht der eigentliche Tee aus, gefolgt vom Strom und schließlich dem Wasser.
Wer demnächst im Café den Preis für sein Kännchen Tee drücken will, kann sich gerne meiner Beispiel-Rechnung bedienen. Aber bitte daran denken, dass da auch noch Personal für Zubereitung, Service, Kassieren und Spülen, sowie Spülwasser mitberechnet werden müssen…
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fällt immer mehr auf, dass es oft, vielleicht zu oft, darum geht, Dinge "irgendwie" zu tun. Sätze wie "Ich muss das noch irgendwie hinbekommen.", "Schaffen Sie das irgendwie bis morgen Abend?" oder "Ich schaff das schon irgendwie" gehören heutzutage zum Alltag. Aber sollte es nicht eigentlich viel mehr darum gehen, Dinge "gut" zu erledigen? Warum fehlt heute eigentlich die Zeit, Dinge wirklich gründlich und qualitativ hochwertig durchzuführen? Immer mehr engen knappe Fristen, Überlastung und schlechtes Zeitmanagement den Zeitplan ein, sodass am Ende zwar vieles "irgendwie" geschafft wird, aber nichts mehr wirklich "gut".
Ist das überhaupt ein Problem? Ich denke schon, denn gerade Kreativität braucht Zeit. Um neue Wege zu entdecken, neue Techniken zu entwickeln oder bestehende zu perfektionieren, braucht man Zeit und die Gelegenheit, auf den ersten Blick unproduktive Dinge zu tun. Ansonsten kann man sich nur auf Bekanntes verlassen, von dem man weiß, dass es einem hilft, Dinge "irgendwie" zu tun. Um Fortschritt zu erreichen, egal ob in der Gesellschaft oder für den Einzelnen, ist diese Kreativität unabdingbar. Wer sich nur auf Etabliertes verlassen kann, weil ihm keine Zeit bleibt, Dinge kreativ und gut zu erledigen, der kann sich nicht weiter entwickeln und verharrt am selben Ort.
Dass Glück subjektiv ist und eng mit der eigenen Einstellung zusammenhängt, ist mittlerweile fast schon ein Allgemeinplatz. Glück ist aber noch viel subjektiver als wir allgemein annehmen. Menschen sind jedoch nicht gut darin, abzuschätzen, was sie glücklich macht und was nicht. So zeigt Dan Gilbert in seinem äußerst sehenswerten Vortrag bei der TED-Konferenz, dass sich Menschen oftmals gerade für die Variante entscheiden, die sie im Nachhinein unglücklicher macht:
Er präsentiert dazu ein Experiment, bei dem in einem ersten Schritt aufgezeigt wird, dass es sich negativ auf das subjektive Glücksempfinden auswirkt, eine schwere Entscheidung rückgängig machen zu können. Im zweiten Schritt wird dann aber gezeigt, dass sich die Mehrheit der Probanden dazu entschließt, sich diese Möglichkeit offen zu halten.
Diese Beobachtung lässt sich einfach durch die Fähigkeit des Menschen zur Dissonanzreduktion erklären: Wenn wir eine Entscheidung endgültig getroffen haben, neigen wir im Nachhinein dazu, diese “schönzureden” und Argumente dagegen schwächer zu bewerten, anstatt zu versuchen, die Entscheidung “nachträglich” zu optimieren. Auch hier präsentiert Gilbert äußerst spannende Experimente, die nahelegen, dass die kein bewusster Prozess ist, sondern vielmehr ein unterbewusster Automatismus. Daran schließt sich die Frage an, warum diese Art des “sythetischen Glücks” eigentlich im allgemeinen niedriger bewertet wird, als das “natürliche Glück”, wenn man bekommt, was man sich wünscht.
Die kognitiven Dissonanzen werden auch dann erhöht, wenn uns eine große Auswahl an Optionen zur Verfügung steht (siehe auch Wollen wir wirklich die Wahl haben?). Denn nur dann bekommen wir das Gefühl, durch unsere Entscheidung tatsächlich etwas ändern zu können und versuchen, sie zu “optimieren”. Allerdings überschätzen Menschen den langfristigen Einfluss bestimmter Ereignisse auf ihr Glücksempfinden massiv und sind so nicht in der Lage, tatsächlich optimale Entscheidungen zu treffen.
Was lernen wir daraus? Auch wenn alle Menschen nach Glück streben, sind wir doch meistens selbst das größte Hindernis auf diesem Weg. Dabei geht es nicht in erster Linie um Disziplin, soziale Kompentenz oder Karriere, sondern einfach um die Einstellung zum Leben: Glücklich wird man dann, wenn man aufhört es zu suchen.
Das wirklich super-spannende Spiel Tschechien - Türkei ist keine 15 Minuten vorbei und schon findet sich der tragische Fehler von Petr Čech in seinem Wikipedia-Artikel.
Nun ist es also passiert. Im einzigen Land, in dem der mühsam ausgehandelte EU-Reformvertrag durch eine Volksabstimmung bestätigt werden muss, haben sich die Bürger für ein "Nein" entschieden. Wie schon der Vertrag von Nizza 2001 und der "Verfassungsvertrag" 2005, ist nun auch der Lissabon-Vertrag am Veto der Bürger eines Landes (vorerst) gescheitert. Das Ergebnis der Abstimmung in Irland ist einerseits ein herber Rückschlag für die weitere Integration der EU, da sie mit 27 Mitgliedstaaten in ihrer bisherigen Form kaum langfristig handlungsfähig bleiben wird, und andererseits ein deutliches Indiz für eines der zentralen Probleme der EU: Die fehlende Verankerung und Legitimation durch die Bevölkerung.
Ich persönlich bin ein großer Freund der europäischen Integration und hoffe, dass das Referendum diesem Prozess keinen allzugroßen Schaden zufügt, aber noch mehr hoffe ich, dass die Verantwortlichen aus diesem Ergebnis die richtigen Schlüsse im Hinblick auf die Politikgestaltung der EU ziehen.
Heutzutage ist die EU in erster Linie ein riesiger Beamtenapparat, der sich die Themen, mit denen er sich beschäftigt, weitestgehend selber heraus sucht. Die Entscheidungsfindung ist hier, im Gegensatz zu nationaler Politik, kein politischer Prozess, in dem Vorschläge öffentlich diskutiert werden, Parteien den Willen ihrer Wähler explizit berücksichtigen müssen und Medien einen großen Anteil an der öffentlichen Darstellung der Entscheidungsprozesse haben. In der EU finden Entscheidungen viel kleinschrittiger statt. Die zentralen Instanzen sind die Expertengremien der Europäischen Kommission, in denen Ministerialbeamte aller Mitgliedsstaaten vertreten sind. Hier werden Themen diskutiert und "kleingearbeitet", bis die Interessen aller Nationen berücksichtigt sind. Das Europäische Parlament kann dann in den meisten Fällen noch als Korrektiv fungieren, aber im Ministerrat und auch im Europäischen Rat finden nur in wenigen Fällen noch inhaltliche Diskussionen statt. Anstehende Vorlagen werden oftmals "im Paket" abgenicktstimmt.
Damit stellen die Entscheidungen der EU sachlich gut begründete Versuche dar, die Interessen der Mitgliedsstaaten zusammenzuführen. Sie werden jedoch von den Menschen als Ergebnisse undurchsichtiger Prozesse eines gigantischen bürokratischen Apparats wahrgenommen und nicht als Entscheidungen, die in einem demokratischen Entscheidungsprozess getroffen wurden. Vor diesem Hintergrund verwundert es wenig, dass Reformvorhaben der EU dann, wenn sie dem Volk zur Entscheidung übergeben werden, vor einer großen Hürde stehen.
Irland jetzt zu brandmarken oder aus dem zukünftigen Integrationsprozess auszuschließen, würde dem Ausschluss eines unbequemen Kritikers gleichkommen, der die EU ermahnt, sich ihrer demokratischen Wurzeln zu besinnen. Vielmehr sollten Lehren daraus gezogen und alle Versuche verstärkt werden, die Bevölkerung mehr in die Entscheidungsfindung auf der europäischen Ebene einzubeziehen.
Jugendarbeit wird meist als das Metier professioneller Sozialarbeiter oder ehrenamtlich engagierter Bürger betrachtet, die etwas “für” die Jugendlichen auf die Beine stellen. Dass es auch anders geht, zeigen vier Jugendliche in Hamburg: Sie organisieren einmal im Monat eine Party, zu der nur Gäste unter 19 Jahren zugelassen sind. Ohne Alkohol und Zigaretten und zu jugendkompatiblen Zeiten wird hier gefeiert. Die Gäste sehen den Underage-Club als eine Möglichkeit, zu feiern, ohne dabei mit Erwachsenen zu konkurrieren. In geschütztem Rahmen können sich die Jugendlichen hier ausleben und müssen ihre Parties nicht in Bushäuschen oder auf Parkplätzen veranstalten.
Respekt und herzlichen Dank an die vier Organisatoren.
..sind eine lange Zeit. Doch vor genau so vielen Stunden habe ich meine Freundin am Hamburger Flughafen verabschiedet, von dem aus sie in ihr neunmonatiges Abenteuer in Australien gestartet ist. Nun ist sie gerade sicher in Sydney gelandet und wird bestimmt bald beginnen, ihr Blog unter www.bettelprinzessin-auf-reisen.de weiter zu füllen, das Allen, die ihr Abenteuer am anderen Ende der Welt verfolgen möchten, ans Herz gelegt sei.
Beim Supermarkt bei mir um die Ecke sind mir in den letzten Wochen drei Dinge aufgefallen, die mich vermuten lassen, dass hier Kunden bewusst manipuliert werden sollen:
Einzelne Produkte werden mit roten Preisschildern, wie sie auch bei Sonderangeboten verwendet werden, ausgezeichnet. Allerdings mit dem ganz normalen Preis. Da könnte folgende Überlegung hinter stehen: Die Kunden sehen das Schild, denken das Produkt wäre im Sonderangebot und kaufen es, ohne zu wissen, dass das der normale Preis ist.
Ein Produkt, das es in mehreren Sorten gibt, ist im Sonderangebot. Einzelne, anscheinend willkürlich gewählte, Sorten gibt es aber nur zum normalen Preis. Das Sonderangebotsschild verspricht: “verschiedene Sorten” und erst wenn man die Preisschilder der einzelnen Sorten anschaut, sieht man, dass einzelne Sorten den Normalpreis kosten. Ich habe schon zweimal die nicht-reduzierte Sorte gekauft und bin seitdem doppelt vorsichtig.
In den Gängen stehen Aufsteller mit attraktiven Produkten, ohne dass ein Preis angegeben wird. Einkaufen im Blindflug und dabei der Eindruck einer “Sonderaktion”
Ich weiß nicht, ob es Absicht ist, aber wenn ja, dann setzt der Laden damit seinen Ruf auf’s Spiel. Ob das die paar zusätzlichen Euro wert ist, muss der Marktleiter selber entscheiden. Wenn der Laden nicht direkt bei mir vor der Tür wäre, würde ich hier schon lange nicht mehr einkaufen.
Gestern Abend im Bus. Ein Mädchen, nennen wir sie Anna, vielleicht 14 Jahre alt, erzählt ihren Freundinnen:
Boah, die Maja (Name geändert) hat echt keine eigene Meinung. Da war die letztens bei mir und ich hab ihr erzählt, dass ich letztens ne Shisha geraucht hab. Und da meint die: “Das würd ich ja nie machen. Viel zu ungesund.” Später hab ich ihr meine neuen Schuhe gezeigt, knallrote mit echt hohen Absätzen, und dann sagt die: “Mensch sind die hässlich, damit würd ich nicht rausgehen”.
Danach habe ich mich gefragt, was für Anna “eine eigene Meinung zu haben” bedeutet, denn für mich hat Maja eine deutliche eigene Meinung bewiesen, indem sie in der Situation eben nicht das sozial erwünschte “cool” oder “das will ich auch mal” geäußert hat, sondern tatsächlich eine abweichende Meinung.
Eine mögliche Erklärung wäre sehr simpel: Damit Anna sich nicht mit der abweichenden Meinung von Maja auseinandersetzen muss und weil sie vielleicht damit einen wunden Punkt bei Anna getroffen hat, würdigt Anna Maja einfach pauschal ab. Klassischer Fall von Dissonanzreduktion: Eine, den eigenen Überzeugungen widersprechende, Argumentation wird verdrängt, um die eigene Meinung zu sichern.
Etwas komplexer wäre eine andere Erklärung, die mir aber plausibler erscheint: Anna stört an der Meinung Majas, dass diese eine Meinung äußert, die der von Annas Eltern entsprechen könnte. Anna nimmt implizit an, Majas Eltern hätten dieselbe Meinung, Maja habe diese einfach übernommen und gebe sie nun unreflektiert wieder. Demnach ginge es Anne garnicht darum, dass Maja eine wirkliche “eigene Meinung” entwickeln solle, sondern darum, dass Maja sich nicht ausreichend von “den Eltern” oder “den Erwachsenen” abgrenzt. Denken und Reflexion sind dabei unerwünscht, die Meinung muss nur abweichend sein, um als “eigene” zu gelten.